Dass die KIV-Website bei der Version 4.8.1 stecken geblieben ist – aktuelle Version 5.2.2., damit acht Sicherheitsupdates nicht durchgeführt wurden, wodurch 27 Sicherheitslücken offen blieben, habe ich bereits erwähnt. Doch in diesem Beitrag geht es nicht um die Sicherheitslücken der Website, sondern um jene der KIV als Organisation. Wie viele das sind, lässt sich schwer sagen. Doch hat sich in letzter Zeit einiges getan, was vermuten lässt, dass die KIV nicht weit von einer existenziellen Krise entfernt ist. Wenn man politische Ausrichtung und interne Demokratie sowie gerechte Verteilung der Ressourcen innerhalb der Organisation als existenziell ansieht.
Da ich in den letzten Monaten mehr über die KIV erfahren habe, als mir lieb ist, mache ich mir natürlich auch Gedanken über sie. Von außen und mit gedämpfter Hoffnung.

1. rechts

Nicht nur aus der persönlichen Geschichte der frühen KIV-Aktivistinnen war es völlig klar, dass rechte Tendenzen in der Gewerkschaft und insbesondere in einer Organisation wie der KIV keinen Platz haben dürfen. Grundkonsens war für uns immer, dass es einer aktiven antifaschistischen und antirassistischen Politik bedarf, um besonders Österreichs ArbeitnehmerInnen vor neofaschistischer oder rechtsextremer Agitation zu bewahren (Siehe ÖGB-Programm, pdf). Daher war für uns alle klar, dass es mit Organisationen und Parteien wie der FPÖ keine Berührungspunkte geben kann. Was auch für Aktivist*innen in solchen Parteien galt und hoffentlich auch noch gilt.
Als vor vielen Jahren KIV-Aktivisten aus der Hauptgruppe IV (Wiener Linien), zuerst verdeckt und dann immer offener FPÖ-Positionen übernahmen und nichts dabei fanden, in ihren Reihen einen im FPÖ-Umfeld engagierten Kollegen mitwirken zu lassen, mussten wir uns von dieser Gruppierung trennen. Was sich natürlich auf das Gesamtwahlergebnis auswirkte. Doch rechte, rechtsextreme, ausländer*innenfeindliche und/oder rassistische Positionen waren damals für die KIV ein absolutes No-Go.

Am Rande einer FPÖ-Wahlveranstaltung in ein Mikrophon gegen Asylsuchende zu hetzen und hernach mit jemandem, der gerade den Hitlergruß in die Kamera gezeigt hat, freundlich zu plaudern – das wäre beispielsweise ein solches No-Go für eine Mitarbeit in der KIV gewesen. Gar nicht zu reden von einer Kandidatur oder gar vom Vorsitz in einem Dienststellenausschuss mit KIV-Mehrheit. Außer dieser KIV-Aktivist oder diese KIV-Aktivistin distanziert sich öffentlich von seinem oder ihrem damaligen Verhalten und verweist glaubhaft auf einen seither stattgefunden habenden Lernprozess.
Wenn solches nicht geschieht und der oder die betreffende Aktivist*in weiterhin im Namen der KIV agieren könnte, dann hätte die KIV jede Glaubwürdigkeit verloren, was die Abgrenzung nach rechts betrifft. Dann wäre die KIV innerhalb der Unabhängigen Gewerkschafter*innen ungefähr das, was die SPÖ Burgenland innerhalb der Gesamt-SPÖ ist. Doskozilisiert sozusagen.

2. links

Das umgekehrte Phänomen zeigt sich nach links. Da wetterte die KIV doch tatsächlich gegen eine linke Gruppierung, die im Krankenanstaltenverbund unter dem Slogan "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" für die Optierungsmöglichkeit der Bediensteten zwischen altem und neuem Besoldungssystem eintritt.

Eine Position, die inzwischen auch die FSG-dominierte Hauptgruppe II vertritt. Statt jener Gruppierung Entrismus und die Zerstörung der KIV zu unterstellen (siehe "Die KIV holt ihre eigene Vergangenheit ein"), wäre es angebrachter gewesen, mit diesen Aktivist*innen gemeinsam gegen die ihrem Wesen nach neoliberale Besoldungsreform und ihren ungerechten und desolidarisierenden Auswirkungen vorzugehen. Doch da war plötzlich die Nähe zur FSG, welche diese Reform im Inneren der SPÖ mitentwickelt hatte, wichtiger als die Basis, die in zahlreichen Aktionen die Optierung forderte:

Warum wir heute bei der Demo „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ auf der Straße fehlen:
Bereits 2017 haben wir als Unabhängige GewerkschafterInnen KIV im ÖGB darauf hingewiesen, dass die Besoldung neu die MitarbeiterInnen der Stadt spalten wird. Wohlerworbenes Recht versus höhere Einstiegsgehälter – subjektiv gefühlte Ungerechtigkeiten! Die Komplexität des Themas wird mensch auf der Straße nicht gerecht.
Die Optierung ins neue System ist individuell und berufsgruppenspezifisch zu betrachten. Verhandlungsbasis ist ein einstimmiger Beschluss des Wiener Landesvorstands der younion zur Möglichkeit bzgl. Optierung.

Siehe "Beschiss von oben..."

Eine von der FSG abgeschriebene Grundsatzerkärung der KIV-Vorsitzenden trug auch nichts zur Klärung der Position der KIV bei. Aber vielleicht nun, durch den Erfolg der Care-Bewegung im Krankenanstaltenverbund, der die FSG zwar zögerlich, aber doch so halb ins Boot der Optierungs-Forderung steigen ließ, könnte die KIV sich dann endlich dazu entschließen, voll und ganz an einer gemeinsamen Solidaritätsfront mitzuwirken. Die KIV-Menschen an der Basis tun es zum Teil ja eh schon und würden Unterstützung brauchen. Immerhin haben diese linken Aktivist*innen der Optierungs-Bewegung der KIV bei der Wahl in der Hauptgruppe II den Arsch gerettet, da dieses Thema vor der Wahl hochgekocht ist und von den linken Gruppierungen bespielt wurde. Es sind sozusagen Leihstimmen für die KIV. Dafür müsste die KIV nun auch einiges tun. Unter anderem aktiv Bündnispartner*innen im linken Spektrum suchen, um als linke gewerkschaftliche Kraft auch gesellschaftpolitisch wirken zu können.

3. Demokratie

Es scheint, dass die KIV einen Demokratisierungsschub brauchen könnte. Zum Beispiel statt einsamer Vorstandsbeschlüsse wieder das Plenum als alleinige Entscheidungsplattform festigen. Was heißt, auch häufigere Sitzungen und/oder die Sicherung eines stetigen Informationsflusses mithilfe entsprechender Tools wie regelmäßige Rundbriefe, Interne Diskussions-Foren, Plattformen für kollaboratives Arbeiten, Themengruppen etc.
Nicht zu vergessen auch die Möglichkeit des Mitdiskutierens der Bediensteten. In der Joomla-Version der Website gab es noch die Kommentarfunktion zu jedem Artikel. Die ist jetzt bei Wordpress geschlossen. Gehörte wieder aufgemacht. Was aber einen gewissen Betreuungsaufwand nach sich zöge. Oh wait, den gibt es ja nur noch im firmenbetreuten 10-Stundenpaket pro Jahr.
BTW: Dass bei Facebook unlängst bei einem Posting alle Kommentare gelöscht wurden, ist auch so ein No-Go und peinlicher, als unliebsame Kommentare stehen zu lassen.

Statt "Vorstandssitzungen" sollte es wieder "Bürositzungen" heißen oder von mir aus "Kleines Plenum", welches jeden Donnerstag tagt. Und statt "KIV-Zentrale", wie es seit etlichen Jahren heißt, würde die alte Bezeichnung "Büro" viel netter und weniger hierarchisch klingen. Natürlich braucht es ein Organ, welches die politischen und organisatorischen Geschäfte zwischen den Plena führt, aber mit streng umzirkelten Kompetenzen, zu denen sicherlich nicht der Beschluss einer Kündigung zählen kann. Aber dieses Organ und seine Mitglieder sollten sich auf selber Ebene wie die KIV-Basis in den Dienststellen begreifen. In dieser Hinsicht sind Benennungen nicht unwichtig. Aber vor allem das Leben einer nichthierarchischen Organisationskultur.

Zur Demokratie gehört auch, dass erfolgreiche Bereiche ein größeres Gewicht innerhalb der Organisation erhalten sollten. Was sich sowohl auf Positionen wie auch auf Freistellungen auswirken würde. Wenn man beispielsweise die Ergebnisse von Kindertagesheimen und Rechnungswesen jenen der Jugendämter, des Fonds Soziales Wien, Parkraumbewirtschaftung sowie den Ergebnissen der einzelnen Dienststellen im Krankenanstaltenverbund, insbesondere im SMZ Süd gegenüberstellt, zeigt sich gegenwärtig ein ziemliches Ungleichgewicht in der Besetzung der verantwortlichen Positionen in der "KIV-Zentrale".

Womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

4. Gerechte Verteilung der Ressourcen zwischen den Hauptgruppen.

Durch die Umkehrung des Wahlergebnisses zwischen Hauptgruppe I und Hauptgruppe II

 

stellt sich die Frage der Verteilung der Ressourcen neu. Welche Freistellungen, welche Angestellten für welche Hauptgruppe? Die Hauptgruppe II hatte immer schon gemeint, sie sei gegenüber der HG I benachteiligt. Wenn die Ressourcenverteilung sich nicht änderten, dann hätte sie zumindest jetzt jedes Recht dazu.

Anzusetzen wäre etwa bei der Frage: Wer braucht das Büro? Also wie viele und welche Dienststellen, in denen die KIV Mandate errungen hat, haben kein eigenes Personalvertretungsbüro bzw. keine Arbeitsplätze, von denen aus auch für die Personalvertretung gearbeitet werden kann (PC, Diensthandy, Drucker, Internetanschluss). Entsprechend der Anzahl solcher Dienststellen bemisst sich auch die Größe und die Notwendigkeit des zentralen Büros. Wäre einer Evaluierung wert. Immerhin ist die Erhaltung und der Betrieb dieser groß angelegten Infrastruktur in der Blumauergasse und Odeongasse ein fetter Posten im Fraktionsbudget. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob wesentliche Büroagenden nicht in die Dienststellen ausgelagert werden könnten inklusive Freigestellte?

Tools

Politische und strategische Festlegungen braucht es und dementsprechende Inhalte. Ist klar. Tools zu ihrer Verbreitung auch.
Was 2016 statt der idiotischen Homepagediskussion tatsächlich notwendig gewesen wäre: Neuorientierung der Publikationskanäle, dienststellennäher, was heißt aktives Herangehen an Dienststellen, um veröffentlichungsrelevante Informationen zu bekommen und rückfließen zu lassen. Bildung eines Transmedialen (Website, Weblog, Facebook, Twitter, KIV-Magazin, Dienststellenaussendungen, Podcasts ...) Teams zum Verarbeiten dieser Infos bzw. Materialien und die Bestückung der entsprechenden Kanäle. Womit ein immerwährender Informationsfluss von der KIV nach außen gehen könnte. Und retour. So wie es mit der Einrichtung der Homepage in den 90ern auch gedacht war: Als eine permanente Großaussendung. Mit dem Vorzug weitgehender Interaktivität.

Die AUGE hat vor Jahren einen moderierten Prozess der Optimierung der Tools zur Öffentlichkeitsarbeit durchlaufen und einen höheren Grad an Professionalität erreicht. Ein solcher Prozess steht in der KIV noch aus.

Kurzfassung: Schlecht gepflegt