Die Bürokraft hat sich eifrig bemüht, dem Auftrag ihrer Chefin zu entsprechen und das selbe zu sagen wie sie. Ja sogar ihren Fehler mit dem August-Termin, den es nie gegeben hat, reproduzierte sie brav. Sie erzählte von Terminen, zu denen Franz eingeladen war und der glatt zurück gefragt haben soll, zu welch konkretem Zweck ein Termin notwendig sei, sie erzählte von ihren Problemen mit der Textverarbeitung, bei der Franz ihr telefonisch nicht geholfen habe und noch einige Kinkerlitzchen, die in bisherigen Beiträgen auch schon thematisiert wurden und als Fallobst der Argumentation der KIV-Zentrale gegen Franz anzusehen sind. Leider wurde dieses Fallobst schlussendlich vom Gericht aufgegriffen und als Beweis gewürdigt. Doch davon später. Über die Qualität und Realitätsnähe der Aussagen der Bürokraft, die April 2013 in der KIV zu arbeiten begonnen hatte, geben gleich die ersten Wortspenden Auskunft:

Dass die Homepage der beklagten Partei erneuert werden muss bzw die Homepage der KIV erneuert werden muss, war schon bei meinem Diensteintritt klar.

Allerdings gab es die Homepage, die "erneuert werden muss", beim Dienstantritt dieser Bürokraft noch gar nicht. Die ging erst einen Monat später online. Und stieß auf allgemeine Begeisterung.

Ich würde sagen, etwa 2015 haben die konkreten Planungen begonnen. Noch vor der Einbeziehung des Marketingexperten wurde mit dem Kläger darüber gesprochen, was neu gemacht werden solle und welche Schulungen oder sonstige Möglichkeiten der Kläger dazu brauchen würde. Soviel ich weiß, hat die Assistentin mit ihm per Mail darüber kommuniziert.

Hier hält sich die Bürokraft ans vereinbarte Wording mit dem Jahr 2015 als Beginn des Umgestaltungsprozesses. Weicht aber dann im Konkreten ab. Denn sie behauptet, dass darüber mit Franz per E-Mail korrespondiert worden wäre. Solche E-Mails gibt es nicht. Wie auch sonst nirgendwo der geringste Hinweis, dass Franz von diesen angeblichen Plänen im Jahr 2015 irgendetwas erfahren hätte. Es gibt ja nicht mal einen Hinweis darauf, dass diese Pläne damals überhaupt existiert haben. Außer in den mehr oder weniger übereinstimmenden Aussagen der Zeug*innen hintennach. Wenn es etwas Schriftliches gegeben hätte, wäre dies dem Arbeitsgericht sicherlich vorgelegt worden.

Der Kläger hat rückgefragt, warum er nicht mit dem alten weiterarbeiten könne. Der Kläger wollte sozusagen das „alte bewährte" auffrischen. Die Assistentin hat dann einen Berater herangezogen, nämlich den Marketingexperten, der hat uns darüber informiert, dass das alte System nicht mehr den technischen Anforderungen der heutigen Zeit entspricht und auch nicht „aufgefrischt" werden kann.

LOL! Ich kann nicht glauben, dass der Marketingexperte solch einen Unsinn von sich gegeben hat. Das "alte System" Joomla ist nämlich jünger (2005) als das erheischte "neue" System Wordpress (ab 2003). Was aber eh wurscht wäre. Denn beide Systeme werden regelmäßig upgedated (auch wenn die von der KIV inzwischen beauftragte Betreuungsfirma für Wordpress das nicht durchführt) und die jeweilige Entwickler*innen-Community orientiert sich dabei natürlich am neuesten Stand der Technik. Insofern kann keine Rede davon sein, dass Joomla "nicht mehr den technischen Anforderungen der heutigen Zeit entspricht und auch nicht „aufgefrischt" werden kann" – wer so etwas behauptet, hat offensichtlich keine Ahnung von Websites und vom Stand der Dinge. Und demnach als Berater für die KIV-Homepage völlig disqualifiziert gewesen wäre. Da besagter Marketingexperte, nach dem, was ich über ihn weiß, durchaus kompetent zu sein scheint, dürfte die Bürokraft einfach so ziemlich alles missverstanden haben.

Er hat gemeint, es müsse ein neues System eingeführt werden, das auch benutzerfreundlicher wäre als das alte. Die alte Homepage war ziemlich unübersichtlich.

So etwas könnte nur jemand sagen, der Joomla nicht kennt und Wordpress pushen möchte. Also für einen Berater eine ziemlich unlautere Vorgehensweise wäre. Daher gehe ich auch hier von einem Missverständnis der Bürokraft aus.

Im August 2016 gab es ein Gespräch zwischen dem Marketingexperten, der Assistentin, mir, dem Kläger und Kollegin X.

Wie bereits hingewiesen: diesen August-Termin gab es nicht. Die Bürokraft spricht hier das nach, was ihr die Obfrau offenbar vorgesprochen hatte. Gemeint war wohl das Treffen im September.

Zweck des Gespräches wäre es meines Erachtens gewesen, vom Marketingexperten zu erfahren, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt, wie man unsere Klientel anspricht, was auf unserer Homepage überflüssig ist und primär die Information. Der Kläger und Kollegin X haben sich aber grundsätzlich gegen die Umstellung gewährt und gemeint, dass man durchaus beim alten System bleiben könne.

Der Marketingexperte ist davon ausgegangen, dass es im Betrieb eine Einigung auf Wordpress gegeben habe. Dies war aber keinesfalls der Fall. Insbesondere jene Person, die damit arbeiten und die Umstellung von Joomla auf Wordpress umsetzen sollte, also Franz, hatte erst im Nachhinein davon erfahren. Daher hätte er gerne gewusst, welche Gründe es für die Umstellung auf ein für den Zweck der KIV-Website weniger geeignetes System gäbe. Dies wurde ihm nicht beantwortet und er fragte nochmals. Auch die Kollegin X wollte eine Antwort. Denn für eine optische oder strukturelle Veränderung der Website war Joomla bestens ausgerüstet. Die Notwendigkeit einer teuren und zeitaufwendigen Umstellung auf Wordpress musste erst bewiesen werden. Was damals nicht geschah und bis heute nicht geschehen ist.

Ich habe aus der Sitzung heraus die Obfrau angerufen, ebenso die Assistentin, weil die Situation für uns sehr unangenehm war. Der Marketingexperte hat das System erklärt und Kollegin X und der Kläger sind sehr emotional geworden und haben das grundsätzlich abgelehnt. Dabei sind sie auch ein bisschen lauter geworden, man hat also gemerkt, dass die Ablehnung definitiv ist.

Welche der drei von den KIV-Zeuginnen vorgebrachten Versionen der panischen Benachrichtigung der Obfrau stimmt denn nun? Wurde diese im Nachhinein von einer Person informiert, wie die Obfrau erzählt hatte? Oder sie von zwei Personen während ihres Friseuraufenthaltes angerufen? Oder hat nur die Bürokraft angerufen? Denn die Assistentin wird nachher erzählen, dass sie nicht angerufen hätte. Und am Marketingexperten ist die Aufregung, deren Mittelpunkt er gewesen sein sollte sowieso vorbei gegangen, wie er später glaubhaft schildert:

also das überrascht mich jetzt irgendwie sehr. ich kann mich noch erinnern, dass du bei ein paar punkten anderer meinung warst. aber alles im normalen rahmen einer diskussion. dass du dich mir gegenüber aggressiv verhalten hast, davon kann aber echt keine rede sein. also das hab ich überhaupt nicht so wahrgenommen.

In der Folge gibt die Bürokraft wieder, was vorher schon ihre Obfrau in etwa gesagt hat, und hält sich ziemlich an den Text. Dann wird es aber wieder interessant:

Über konkrete Anbote einer Verwendungsänderung des Klägers wurde mit mir nicht gesprochen. Ich bin stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, daher wurde auch ich von der beabsichtigten Kündigung verständigt und informiert. Die Kündigung wurde unter anderem damit begründet, dass zu dem Zeitpunkt die Betreuung der Homepage bereits „extern vergeben" war und dass es daher für den Kläger kein Einsatzgebiet mehr gebe.

Damit wird entgegen der Erzählung der Obfrau offenbart, dass bereits vor der Sitzung, in welcher die Kündigung angeblich aus Betroffenheit über die Vorschläge von Franz beschlossen wurde, die Kündigung bereits geplant war. Die Entscheidung also schon längst gefallen war. Ein Anbot für die Umsiedlung und Betreuung der Website schon erteilt worden war und es nur noch darum ging, Gründe für eine glatte Kündigung zu konstruieren. Die später mit Hilfe des Betriebsrats und seines internen Arbeitsrechtsexperten dann auch optimiert wurden, wie es scheint (siehe vorigen Beitrag).

In dem Gespräch im August (sic!) 2016 wurde sowohl über die technische Abwicklung als auch über die Inhalte der Homepage gesprochen. Ein inhaltlicher Punkt war etwa, dass die alte Homepage sozusagen wie eine Datenbank funktioniert hat und Funktionäre sich bestimmte Daten abrufen konnten, was für den typischen User unpraktisch war. Das sollte daher nach dem geplanten Projekt wegfallen. Das wurde beispielsweise vom Kläger und von Kollegin X hinterfragt und die alte Version für besser gehalten.

Natürlich verarbeiten sowohl Joomla als auch Wordpress die Daten in einer Datenbank. Und in beiden Systemen merken die Anwender*innen, also die Funktionär*innen, die Artikel schreiben, nichts davon. Die haben eine Eingabemaske, die leichter zu bearbeiten ist als eine Textverarbeitung und müssen nur gewisse Regeln befolgen. Wie in allen Content Management Systemen. Völlig zurecht wurde daher von Franz und Kollegin X hinterfragt, was an dem neuen System besser sein soll.

Damit haben wir diese unergiebige und teilweise lächerlich uninformierte Zeug*innenaussage abgeschlossen. Warum der Rechtsvertreter von Franz diese Aussagen nicht auseinandergenommen und das Gericht auf die vielen fehlerhaften Angaben und Widersprüche aufmerksam gemacht hat, ist mir ein Rätsel. Und diese Unterlassung nicht nur bei dieser Aussage dürfte auch letztlich dazu geführt haben, dass das Gericht die Version der KIV-Mannschaft übernahm.