Arbeits- und Sozialgericht Wien, Frontansicht
Arbeits- und Sozialgericht Wien. Gugerell [CC0], via Wikimedia Commons

Auch dieser zweite Teil der Zeuginnenbefragung der Obfrau ist nicht frei von Wiederholungen. Sowohl in den Aussagen als auch in der Kritik daran. Themen dieser Befragung waren kurz gefasst:

  • Usancen des Urlaubsverbrauchs und der Überstunden in der KIV, in retrospektiver Einfärbung.

  • Fortbildungsmaßnahmen, Schulungstermine

  • uralte neue Beine für die Homepage, der Wunsch, dass ein einfaches System einfach sein möge, die Wundertüte Wordpress

  • das Erweckungserlebnis der Assistentin, plus Verunglimpfung von Franz und ungeschickt formulierter Termineinladung.

  • Nicht vorhandene Arbeitsaufträge, kein Blick in die Mailbox.

  • Angeblich aggressives Verhalten von Franz gegenüber einem Marketingexperten, der davon aber gar nichts bemerkte, Franz auch nicht.

  • Eine Obfrau, die in der hier vorgelegten Version nicht beim Friseur gestört wurde.

Aber nun zur Langfassung:

Was den Urlaubsverbrauch betrifft, so war es bei uns so kommuniziert, dass der Urlaub während des laufenden Jahres zu verbrauchen ist, und ansonsten die gesetzlichen Verfallsregelungen nach dem Urlaubsgesetz gelten.

Dass die Angestellten der KIV im Widerspruch zum Arbeitsverfassungsgesetz gezwungen gewesen seien, ihren Jahresurlaub im selben Jahr zu konsumieren, scheint bei einer Gewerkschaftsfraktion recht erstaunlich zu sein. Hätte zumindest im Einvernehmen mit dem Betriebsrat sein müssen. Doch ist das sehr unglaubhaft. Es wurde in der langjährigen Realität auch nie so gehandhabt, sondern stets im Einvernehmen so gestaltet, dass sowohl die Interessen der KIV als auch jene der Angestellten gewahrt wurden. Von Verbrauch innerhalb desselben Jahres war nie die Rede. Wie auch aus dem Zusammenhang der nächsten Aussage hervorgeht.

Was Überstunden betrifft, wird jedem Mitarbeiter bei Eintritt gesagt, dass wir nur ein sehr begrenztes und nicht aufstockbares Personalbudget haben, weswegen keine Überstunden möglich sind und insofern die Einhaltung der vereinbarten Arbeitszeit vom Mitarbeiter selbst im Auge behalten werden muss. Da ich das so von Troopy übernommen habe, gehe ich davon aus, dass das auch dem Kläger so kommuniziert wurde, dass Überstunden nicht genehmigt werden können.

Dies widerspricht der langjährigen Praxis in der KIV. Sowohl Troopy hat Überstunden und Urlaubstage gesammelt, um dann am Stück den Sommer über am FÖJ-Sommercamp am Neufeldersee verbringen zu können. Franz selber hat vor Jahren mehrere Monate aus angesparten Urlauben und Überstunden in Neuseeland verbracht. Auch die verstorbene Lisa Langbein hat dies so gehandhabt, als sie Monate vor ihrem Pensionierungstermin ihre Gutstunden und Urlaube konsumierte. Das war alles kein Geheimnis in der KIV. Es war auch kein Geheimnis, dass die Stundenaufzeichnungen der Freigestellten und der Angestellten auf dem KIV-Server gespeichert waren. Aber jetzt, um dem Franz eines auszuwischen, gibt es plötzlich und retrospektiv strikte Überstunden- und gegen das Arbeitsverfassungsgesetz verstoßende Urlaubsregelungen. Dass es bei den Krankmeldungen dann auch zu einer "Lex Franz" kam, werden wir noch sehen.

Ich weiß von keinen Fortbildungsmaßnahmen des Klägers in den letzten Jahren, die Fortbildungsmaßnahme, die wir ihm angeboten haben in Zusammenhang mit der Neugestaltung der Homepage, hat er nicht absolviert.

Die Tatsache, dass Franz sich das Content Management System Joomla wie zuvor Devine, das CMS des Gewerkschaftsverlages, und zuvor das Website-Entwicklungsprogramm Dreamweaver und zuvor die Layoutprogramme Quark Xpress und Ventura Publisher unter GEM im Selbststudium angeeignet hat, also sich seit 1992 zur Verbesserung und Professionalisierung des publizistischen Auftritts der KIV autodidaktisch – damit der KIV erhebliche Kosten sparend – weiterbildete, dreht die Gewerkschaftsfraktions-Chefin zum Vorwurf um, dass er keine Fortbildung gemacht habe. Es ist wohl nicht nur gespielte Naivität und ungespielte Bösartigkeit, die sie das behaupten läßt, sondern im Grunde, weil sie keine Ahnung hat davon, wie "Fortbildung" im Bereich der IT in den 80er, 90er und 00er-Jahren funktioniert hat. Da gab es keine großartigen Schulungen, da gab es allenfalls Bücher, in denen ein Bruchteil dessen stand, was man in der Praxis brauchte, es gab online-Foren und Communitys zu den einzelnen Programmen, wo man und wenig frau einander auf den verschiedensten Wissensebenen weiterhalf, und allgemein Austausch pflegte über Tricks und Kniffe. Franz nutzte alle diese Informationskanäle weidlich und war angesehenes und geschätztes Mitglied der Joomla-Community (Stimmen – Geschichte einer Website II). Das wusste und weiß die Obfrau vermutlich auch heute nicht. Keine Schande. Aber sie hätte sich kundig machen können, statt zu unterstellen, dass Franz sich nicht fortbilden wolle. Und dies hatte einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die Entscheidung des Gerichts, wie wir noch sehen werden.

Die im Zusammenhang mit der sachlich unbegründeten Umstellung auf Wordpress angebotene Schulung im Dezember 2016 hat Franz wegen Erkrankung nicht besuchen können. Dann erreichte ihn die Mail, die ihn zu einem Termin im Februar in die Zentrale berief. Nebenbei: Franz dürfte durch den von ihm angestellten Vergleich beider Systeme sowieso mehr Kenntnis von Wordpress erlangt haben, als alle Angehörigen der KIV-Zentrale zusammen, inklusive der Assistentin als kommunikationsscheuer "Projektleiterin". Für die angepeilte Schulung war von Franz gerade die Frage und die Besonderheiten der Migration von Datenbanken aus Joomla nach Wordpress als wesentliches Thema vorgesehen gewesen, da davon ja das Gelingen des Umzugs auf das neue System abhing. Zu dem Zwecke hatte er die Assistentin auch um die Übermittlung des geplanten Templates der Wordpress-Seite gebeten, um die Erfordernisse der Migration konkret abschätzen zu können. Fand nicht statt, weil laut Assistentin noch nicht fertig angepasst. Was wiederum überrascht. Immerhin war ja bereits ein dreiviertel Jahr seit dem vorgestellten Entwurf vergangen. Ein Nebenaspekt: Franz hatte auch vorgeschlagen, statt den geplanten 4 Stunden vorerst nur zwei zu nehmen und die restlichen zwei allenfalls beim Auftreten verzwickterer Fragen. Soweit also zu den Behauptungen, dass Franz passiv und desinteressiert gewesen wäre.

Es gibt monatliche Plenarveranstaltungen mit Ausnahme der Sommermonate, wo alle KlV-Kandidaten zusammenkommen und untereinander mit den Büroangehörigen diskutiert wird, welche Initiativen zu setzen sind, wie die Infrastruktur funktioniert, welche Unterstützung die politisch tätigen Vertreter benötigen udgl mehr. Jedenfalls im Jahr 2015 ist die Kritik sehr deutlich geworden, dass die früher als attraktiv wahrgenommene Homepage nicht mehr goutiert wird. Die Funktionäre haben gemeint, man brauchte dringend etwas Neues. Die Homepage sei optisch nicht attraktiv und auch unübersichtlich für ungeübte Benutzer.

Zwei Jahre vor der Installation der Homepage war, wie wir gelesen haben, bereits Kritik an der noch nicht existierenden Homepage geübt worden. Nun behauptet die KIV-Vorsitzende, dass bereits zwei Jahre nach der Installation ebenfalls allenthalben Kritik geübt wurde, die Homepage nicht mehr "goutiert" werde. Was nicht goutiert wurde, sagt sie nicht. Es findet sich auch in den gesamten Papieren zum Prozess keine einzige sachlich fundierte oder auch nur annähernd an irgendwas Konkretem festgemachte Kritik. Immer nur ein ... irgendwas. Ein nicht goutieren eben. Und weder die zwei Jahre zuvor (o.k., da wäre es auch schwer gewesen, an einer nicht existierenden Homepage Kritik zu üben. Dem Gericht ist das übrigens nicht aufgefallen), noch die zwei Jahre danach hat es irgendwer von den laut Homepage 500 KandidatInnen aus 37 Dienststellen für notwendig erachtet, dem Franz zu schreiben: du, wir goutieren deine Homepage nicht, sie ist unübersichtlich für ungeübte Benutzer. Wir brauchen dringend etwas Neues. Auch die KIV-Zentrale nicht und die KIV-Vorsitzende schon gar nicht. Weil es diese behauptete Kritik möglicherweise gar nicht gab? Wenn man vom wahrscheinlich schon stattgefunden habenden Nörgelmarathon in den Bürositzungen von seiten der Vertreterinnen der Hauptgruppe II absieht, die immer noch der Meinung waren, dass Franz ihnen gehöre und nicht der Homepage. Siehe dazu hier. Aber die wollten ja einfach den Franz zurück als Caddie und da war die Homepagekritik wohl nur ein Mittel zur Erreichung dieses Ziels. Aber es kann durchaus sein, dass auch nicht so direkt eigeninteressensgeleitete KIV-Aktivist*innen der Meinung waren, es brauche eigentlich keine Homepage oder 30 Wochenstunden wären zu viel etc. Diese hätten daran erinnert werden können, dass die Entscheidung über das Ausmaß der Betreuungsstunden für die Homepage in einem längeren Diskussionsprozess 2006 gefallen ist. Eine neuerliche Diskussion wäre durchaus legitim gewesen, wie ja alles immer wieder aufs Neue diskutiert werden kann. Aber mit offenen Karten und gestützt durch ausreichende Informationen für die Diskussion und die Entscheidungsfindung. In diesem Fall aber wurde der Weg über die Demontage eines Menschen gewählt. Dafür sind alle in der KIV-Zentrale arbeitenden Menschen, auch die Schweigenden verantwortlich.

Mit Sicherheit noch 2015 hat mein verstorbener Mann in meinem Beisein mit dem Kläger darüber gesprochen, dass diese Unzufriedenheit besteht. Es wäre gewünscht gewesen, dass der Kläger sich entsprechenden Fortbildungen unterzieht, sich einen Marktüberblick verschafft, wie Homepages bei anderen vergleichbaren Organisationen aussehen und bis spätestens zur Wahl 2019 eine neue Homepage im Netz ist. Der Kläger hat darauf jedoch nicht reagiert. Dieser Dialog wurde sowohl von meinem Mann auch während seiner Erkrankung als auch von mir fortgesetzt, aber vorläufig ohne Ergebnis.

Laut Franz hat ein solches Gespräch ebensowenig wie ein fortgesetzter "Dialog" in dieser Form und mit dieser Thematik nie stattgefunden. Es gibt auch nichts Schriftliches darüber, was aber zu erwarten gewesen wäre, dass da zu Präzisierungen und Nachfragen auch das Kommunikationsmittel E-Mail in Verwendung genommen worden wäre. Doch nichts dergleichen läßt sich im Mailverkehr finden. Die Obfrau beruft sich einzig und allein auf einen Toten. Und wie ich Troopy gekannt habe und wie ich ihn erlebt habe, wenn es um Angelegenheiten von Layout und Webdesign ging, hätte er nicht so allgemein daher geredet, sondern konkret das Problem angesprochen, nachgefragt, Vorschläge gemacht, Hilfe angeboten usw. Einfach zu sagen: Du Franz, es besteht Unzufriedenheit, mach einen Marktüberblick und unterzieh dich Fortbildungen. Nö, das wäre nicht Troopy gewesen.

Es ist auch nicht glaubhaft, dass die Zeugin dieses Gespräch später weitergeführt hat, alleine schon weil ihr die Kompetenz dazu fehlte. Daher glaube ich, dass diese Behauptung der Zeugin ein Phantasieprodukt ist, wie etwa auch der August-Termin 2016, von dem sie und – rein zufällig auch die Bürokraft in ihrer Zeugenaussage später – behauptet, dass es ihn gegeben hätte, was nachweislich nicht der Fall war.

Die Assistentin hat durch universitäre Fortbildung den Marketingexperten kennen gelernt, der als Berater in diesem Bereich tätig ist. Wir haben den Marketingexperten dann sozusagen ins Boot geholt und es wäre darum gegangen, ein präziseres Bild davon zu entwickeln, was konkret verbessert werden könnte und im Ergebnis hätte der Kläger den Auftrag bekommen sollen, diese Ziele und Ideen dann auch umzusetzen und ein Paket zu präsentieren, das bis zur Wahl operativ wird. Ein erstes Meeting in diesem Zusammenhang hat am 18. Mai 2016 stattgefunden.

Es wäre tatsächlich begrüßenswert gewesen, wenn sich die KIV-Zentrale ein wenig kundig gemacht hätte über die Bedingungen und Möglichkeiten der Präsentation politisch/gewerkschaftlicher Inhalte im Web, so wie dies schon vor geraumer Zeit die AUGE gemacht hatte und zusammen mit einem Experten ein neues Web-Konzept entwickelte. Doch was geschah? Die Assistentin nahm an einer Veranstaltung des Forward-Festivals 2016 ("Kreativität, Design und Kommunikation") teil und hatte offenbar ein Erweckungserlebnis und schrieb hernach mehrere Mails an den Referenten, einen Web-Marketingexperten, in denen sie Franz in übelster Weise desavouierte. Natürlich ohne sich mit ihm je über das, was sie als ihre Kritikpunkte ansah, auszutauschen:

Die Homepage ist seit Jahren veraltet und .. naja, einfach hässlich und unübersichtlich. Wir haben einen Mitarbeiter, der eigentlich dazu da ist, die Homepage zu machen, der ist aber gestalterisch ein bissl in den frühen 90ern gefangen. Dass die alte [Homepage] mies ist, kann ja keiner abstreiten ;o). Unser momentan verantwortlicher Mensch [...] hat die Optimierung bisher nicht ordentlich gemacht und ich trau sie ihm auch nicht zu. Unser Auftritt auf FB (...) ist also irgendwie aussagenlos, uninteressant und .. naja, auch wieder hässlich. —
Siehe Hinterm Rücken faustdick – Geschichte einer Website III.

Hierauf verschickte sie, ohne Zweck der Veranstaltung im Betreff anzuführen zwei missverständliche Mails, von denen sich Franz zurecht und auch wegen in diesem Zeitraum auftretender transienter globaler Amnesie (ärztlicher Befund wurde dem Gericht vorgelegt, aber nicht angenommen(!)) nicht betroffen fühlte. Beim Termin selbst wurde je nach Lesart (es gibt zwei einander widersprechende Aussagen dazu) der Marketingexperte beauftragt, eine Wordpress-Installation zu gestalten oder er schlug dies selbst vor. Alles, ohne zu klären, ob es sinnvoll ist, das bestehende System durch ein niederrangigeres zu ersetzen. Dass die nun zur Projektleiterin für den Umstieg auf Wordpress bestimmte Assistentin es hernach nicht der Mühe wert fand, Franz über die Inhalte und Beschlüsse dieses Treffens zu informieren, wird niemanden überraschen, der oder die bis hierher gelesen hat. Aber erwähnen will ich es dennoch.

Falls irgendwas unklar gewesen sein sollte, der Kläger hat sich jedenfalls nicht gemeldet, ob er hier erscheinen solle oder nicht. Es war allerdings so gemeint, dass er hätte kommen sollen. Meines Erachtens war auch Frau X. mit dem Kläger darüber in Kontakt. Als wir nämlich am 18.5.2016 zusammengekommen sind und der Kläger zu Sitzungsbeginn nicht da war und wir davon ausgegangen sind, es hätte möglicherweise der Zug Verspätung, hat Frau X. gesagt „Der Franz kommt ganz sicher nicht".

Die Obfrau sagt es selbst: jemand (es war noch jemand weiterer) aus der KIV-Zentrale war informiert, hat die Information aber nicht weiter gegeben. Aber wie nicht selten, werden auch hier die internen Kommunikationsprobleme der KIV-Zentrale outgesourced - schuld ist immer der Andere. Franz.

Es wurde dann eine neue Sitzung für den Sommer eingeplant, Die Assistentin hatte den Auftrag, das zu koordinieren und auch den Kontakt mit dem Kläger zu halten.

Es lohnt sich, an dieser Stelle zu rekapitulieren, was zwischen dem Treffen mit dem Marketingexperten im Mai und dem zweiten Treffen im September passiert ist: Von einem Kontakt halten durch die Assistentin konnte keine Rede sein. Es bedurfte eines Anrufs von Franz an die Assistentin, damit er überhaupt über den geplanten weiteren Ablauf erfahren konnte. Darüber hinaus untersagte sie ihm die Kontaktaufnahme mit dem Marktingexperten, obwohl eine Vorbesprechung der beiden einzigen, die sich bei der Angelegenheit auskannten, für die Vorbereitung des Termins naheliegenderweise sinnvoll gewesen wäre. Nein, alles müsse über sie laufen, beschied die Assistentin. Was hieß, nichts lief. Bzw. nichts, an dem Franz beteiligt war.

In diesem Sommer im Juli starb Troopy. Die Obfrau behauptete, dass sie nach dem Begräbnis dem Franz die neuen, im Grunde aber eh schon gegebenen Machtverhältnisse zu Gehör brachte und dass sie ihn vierteljährlich in Wien sehen wolle. Da für September eh ein Termin mit Franz vorgesehen war, bei dem weitere Vorgehensweisen hinsichtlich der Website besprochen werden sollten, wäre das eine eher sinnbefreite Anweisung gewesen. Franz machte vor Gericht meiner Meinung nach auch glaubhaft geltend, dass dieses Gespräch mit diesem Inhalt nicht stattgefunden hat. Es wäre ein auch im Sinne der Obfrau überflüssiges Gespräch gewesen. Ein solches Gespräch aber dem Gericht vorzutragen, hatte natürlich den für die Obfrau angenehmen Effekt, dass sie damit die behauptete Reihe von Vorhaltungen und Anweisungen gegenüber Franz mit einem weiteren Knotenpunkt bereichern konnte.

Bei dieser 2. Besprechung im Sommer war ich nicht dabei, von der Assistentin habe ich nachträglich gehört, dass diese Sitzung sehr emotional gewesen sein dürfte. Der Kläger ist zu dieser Sitzung gekommen.

Die angebliche "Emotionalität" dieser Sitzung wurde im Verlauf dieses Prozesses mehrfach behauptet und auch in vorgelegten Mails thematisiert. Aus der Sicht des Marketingexperten, der angeblich ja das Opfer von Franzens Aggressivität gewesen sein sollte, war die Situation aber eine gänzlich andere:

ich kann mich noch erinnern, dass du bei ein paar punkten anderer meinung warst. aber alles im normalen rahmen einer diskussion. dass du dich mir gegenüber aggressiv verhalten hast, davon kann aber echt keine rede sein. also das hab ich überhaupt nicht so wahrgenommen. als dass ich ja damals beauftragt wurde, ein neues Website Konzept zu erstellen und eigentlich dachte, dass da alle Leute bereits im Boot sind. Also meiner Meinung nach wäre altes oder neues System etwas gewesen, wo man sich vorher intern einigen hätte sollen und dann wen beauftragt, der dazu eben ein Konzept, anscheinend ist das vorab aber nicht passiert. Also das wäre zumindest meine Herangehensweise gewesen. Deswegen war die Meeting Situation eben wie gesagt etwas komisch, aber aggressiv finde ich wie gesagt sehr übertrieben.

Also nichts von Aggressivität, dafür viel mehr von schlechter Vorbereitung der Sitzung durch die dafür verantwortliche Assistentin.Es ist jammerschade, dass der Rechtsvertreter von Franz diesen Experten nicht als Zeugen nominierte, da wäre dieses Gespinst, in dem Franz als Aggressivling zusammengesponnen wurde, recht deutlich zerrissen worden. Na gut, also Franz ist nach Meinung nach der Obfrau und anderer aggressiv. Sie gibt übrigens zwei Versionen, wie sie die Information erreichte. Hier erfährt sie nachher davon. In der anderen Version wurde sie in der Wohlfühlzone Friseur durch zwei panische Anrufe aus dem Büro aufgeschreckt. Was nun? Und wieso ist das alles am "Opfer" so unbemerkt vorbeigegangen?

Schon langfristig war der Auftrag von meinem Mann und mir, der Kläger möge Ausschau halten, wie diese Homepage auf neue Beine gestellt werden könnte.

Auch hier wird nicht gesagt, mit welchen "neuen Beinen" die Homepage künftig hüpfen sollte. Es hätte viele Möglichkeiten an Vorschlägen gegeben, Franz hatte in der Vergangenheit ja auch eine ganze Menge an Wünschen, die an ihn herangetragen wurden, umgesetzt. Eine davon war etwa der Wunsch nach mehr Farbigkeit – denn Franz, aus dem Druckergewerbe kommend, war sehr sparsam mit auffälligen Effekten und fiel nicht in den Fehler vieler Web- oder Layoutneulinge, alle möglichen Effekte auch zu nutzen. Nun, die Website war seit einiger Zeit bunter geworden, nicht so ins Gesicht springend wie die jetzige, aber doch. Auch Cliparts wurden verwendet, aber nicht so profillose wie die jetzigen. Franz, der immer an Verbesserungen und neuen Entwicklungen interessiert war, wäre jederzeit auch für "neue Beine" offen gewesen. Wenn man es ihm gesagt hätte.

Von den Funktionären gewünscht war ein für die Anwender möglichst einfaches System und dass die Beiträge auch von ihnen selbst hineingestellt hätten werden können. Das ursprüngliche System Joomla ist nicht so sehr benutzerfreundlich. Sowohl Funktionäre und Funktionärinnen, die mit solchen Agenden an den Dienststellen bereits zu tun hatten, als auch der Marketingexperte haben das System Wordpress vorgeschlagen.

Zum wiederholten Mal: Joomla ist ein für Redakteur*innen einfaches System, sodass jeder und jede, die mit Textverarbeitung mit graphischer Oberfläche, also Word, Page, Writer, Write, Wordpad, Google Docs ..., umzugehen verstehen, auch mit dem Texteditor von Joomla zurande kommen. Insbesondere in der von Franz verwendeten Version, die nach den Fähigkeiten der Anwender*innen konfiguriert werden konnte. Ein Feature, das bei Wordpress fehlt. Es ist also die glatte Unwahrheit zu behaupten, dass Joomla nicht benutzerfreundlich sei. Und noch unwahrer ist, dass deshalb auf Wordpress umzusteigen gewesen wäre. Wer auch immer in diesem von der Obfrau beschriebenen Vorgang Wordpress statt Joomla vorgeschlagen hatte, es war sachlich durch nichts begründbar. Siehe auch Homepage, Homepatsch, Homeputsch – Geschichte einer Website.

Meines Wissens nach hat die Assistentin dem Kläger wiederholt konkrete Arbeitsaufträge erteilt, die dann nur verzögert oder gar nicht erledigt wurden.

Nirgendwo in den Akten findet sich ein Hinweis auf "konkrete Arbeitsaufträge" der Assistentin, geschweige denn von deren verzögerter oder gar nicht Erledigung durch Franz. Also bloße Behauptung, denn wenn es etwas Schriftliches gegeben hätte, was gerade bei "konkreten Arbeitsaufträgen" an eine Person mehrere hundert Kilometer entfernt, naheliegend wäre, dann hätte dieser Arbeitsauftrag dem Gericht auch vorgelegen.

Dem Kläger wurde dann eine Schulung angeboten, zu 4 verschiedenen Terminen, der Kläger hat sich für den letzten am 2.12.2016 in unserem Büro entschieden.

Es waren 6 Termine. 3 fielen wegen der mit KIV-Büro aus Kostengründen vereinbarten ÖBB-Sparschiene weg, der 4. war nach der Alternative-Druckabnahme, bei der aber immer wieder Verzögerungen durch auftretende Probleme passieren konnten. Daher zur Sicherheit auch nicht den nächsten Termin, sondern jenen am Freitag genommen, um für die Schulung auch fit zu sein.

Als dann der Trainer da war, war der Kläger nicht da und wir haben ihn auch nicht erreicht. Frau X. dann die Gattin des Klägers angerufen und es hat sich herausgestellt, dass er krank war.

Franz hatte sich am Vortag per Mail bei der Organisatorin der Schulung, also der Assistentin, krank gemeldet. Diese hatte aber nicht in ihre Mails geschaut. Weil:

Dieses Mail hat die Assistentin erst in der Folgewoche entdeckt, sie ist, wie ich vorhin schon gesagt habe, nur 2 Tage in der Woche hier. Die Mitarbeiter sind angehalten, im Krankheitsfall mich oder den Veraltungsbeamten zu verständigen. Ich habe mit dem Kläger nach dem Ableben meines Mannes ein Gespräch geführt und dem Kläger damals klargestellt, dass Der Verwaltungsbeamte und ich seine Vorgesetzten sind. Früher hat sich der Kläger, wenn er krank war, bei meinem Mann krank gemeldet. Jedenfalls ist es nicht Usus, dass man es „irgendwem" sagt. Dem Kläger wurde nicht gesagt, dass die Assistentin in diesem Zusammenhang auch für Krankmeldungen udgl zuständig wäre. Es wurde kommuniziert, dass die Assistentin lediglich Koordinationsaufgaben im Hinblick auf die Neuerstellung dieser Homepage hat.

Für Franz war Mail an die Assistentin als der Organisatorin der Schulung das Naheliegendste, weil diese auch den kurzen Draht zum Trainer gehabt hätte. Umgekehrt wäre zu befürchten gewesen, dass die sowieso schon überlastete Obfrau mit der Krankmeldung nichts anzufangen gewusst hätte – also dem Trainer abzusagen.

Dem Kläger wurde dann aufgetragen, sich selbst mit dem Trainer in Verbindung zu setzen, um einen neuen Termin zu vereinbaren. Der Trainer hat nämlich kulanterweise für den Schulungstermin 2.12.2016 nur die Wartezeit verrechnet und es hätte somit der bereits bezahlte Schulungspreis auf die neue Schulung angerechnet werden können. Der Kläger hat sich jedoch zu keinem Zeitpunkt einen Termin mit dem Trainer ausgemacht. Auf den Kosten für die bezahlte Schulung sind wir dann sozusagen sitzen geblieben. Im Jänner hat sich der Trainer dann gemeldet und mitgeteilt, dass der Kläger sich bei ihm nicht gemeldet hätte. Daraufhin haben wir dann Handlungsbedarf gesehen.

Welchen "Handlungsbedarf"? Hernach, im Februar, erst gab es Auftrag Schulungstermin zu organisieren (s.o.). Es hätte dann auch die Chance bestanden, dass dieser Termin anhand des endgültigen Templates der neuen Website erfolgen konnte. Niemand wäre auf irgendwelchen Kosten sitzen geblieben. Doch dann kam die Aufforderung an Franz, zum 14. Februar zu einem Gespräch nach Wien zu kommen. Und bei diesem Termin kam es dicke.