Der als letzter Zeuge befragte freigestellte Verwaltungsbeamte, der erst seit 2014 Mandatar für die KIV ist, steht seit 2016 als stellvertretender Obmann der Obfrau den Vereinen KIV und IGA vor und hat auch in der Fraktion KIV hinter der Obfrau das Sagen. Wenn es ihm opportun erscheint, hält er mit seinen Sagern auch nicht hinterm Berg. Dabei versprüht er, egal, ob im persönlichen Umgang oder unter Pseudonym im Netz jenen rauhen Charme, den auch ein Priesterseminarist in Tiflis einstens versprüht haben soll. Aber möglicherweise ist er das gar nicht selbst. Der mit dem persönlichen Umgang und dem Pseudonym im Netz. Sondern irgendein Märchenonkel.

Während der Zeug*innenbefragung im Oktober war er jedenfalls im Gerichtssaal und starrte die ganze Zeit auf einen mit Plastikfolie geschützten Zettel in seiner Hand. Was da wohl draufstand? Eine Anleitung für die 5 Tibeter, zwecks Entspannung? An diesem Tag kam er aber nicht dran, die angestrengte Entspannungsübung war fürn Hugo gewesen. Sein Auftritt erfolgte dann beim Dezember-Termin. Die 5 Tibeter, so sie es denn waren, die ihm auf dem Zettel zur Hilfe eilen sollten, scheinen ihre Wirkung verloren zu haben. Denn der Verwaltungsbeamte und Stellvertretende Obmann schien reichlich nervös bei seiner Befragung. Gut, fangen wir also an, wobei ich bei Wiederholung immer wieder kommenden und längst widerlegten Geseires ein bißchen was gekürzt und zusammengezogen habe.

Ich habe die Aussage der Obfrau letztens mitgehört, ich kann das inhaltlich bestätigen, soweit ich eigene Wahrnehmungen habe. Mir ist nichts aufgefallen, das nicht richtig gewesen wäre.

Gut. Erster Teil der Aufgabe ist erfüllt. Alles, was die Obfrau sagt, ist richtig, auch ihre Widersprüche und Unwahrscheinlichkeiten. Soweit er, der Stellvertretende Obmann, "eigene Wahrnehmungen" hat. Doch hat er die?

Ich habe keine konkreten Wahrnehmungen ...

beginnt bezeichnenderweise der nächste Satz. Ähnliche Formulierungen werden sich noch einige finden während der Befragung. Aber was konkret meint er in diesem Fall?

Ich habe keine konkreten Wahrnehmungen dazu, ob dem Kläger jemals explizit kommuniziert wurde, dass die Obfrau jetzt Vorgesetzte ist. Faktisch war das aber allen klar, und schon allein deshalb, weil Troopy längere Zeit krank war und die Obfrau diese Rolle einfach sukzessive eingenommen hat.

Damit bestätigt er voll die Aussagen von Franz, dass eh klar war, dass die Obfrau die Obfrau ist seit langem, schon während der Erkrankung Troopys und davor, da sie bekanntlich als Sprachrohr Troopys auch nach dessen Pensionierung fungierte. Und damit bestätigt der Stellvertretende Obmann auch, dass die angebliche Feststellung ihrer Obfrauschaft durch die Obfrau nach dem Begräbnis ihres Mannes absolut unnötig gewesen wäre und nicht nur der Begräbnissituation unangemessen. Dass die Obfrau glaubte, solches vor Gericht behaupten zu müssen, diente einzig dem Zweck, einen Konflikt dem Gericht zur Kenntnis zu bringen, den es damals und auch später nicht gegeben hat. Es war ein Puzzle in der großen KIV-Inszenierung wider Franz. Und tat seine Wirkung

Ich bin seit Mai 2014 Mandatar, im Juli 2016 bin ich dann in den Vorstand nachgerückt. Vorgesetzter des Klägers war immer der Vereinsvorstand. Dass irgend welche freigestellten Mandatare oder sonstige Personen berechtigt waren, ihm Anweisungen zu erteilen, oder solche gegeben haben bzw Vereinbarungen getroffen wurden, kann ich nicht bestätigen. Wenn ich vor meiner Funktion als Vorstandsmitglied dem Kläger Artikel für die Homepage übersandt habe, dann war das ein kollegiales Ersuchen und keine Anordnung. In dieser Form hat das auch immer funktioniert.

Der Verwaltungsbeamte zeigt in dieser Aussage nur, dass er ein primär hierarchiegeleitetes Bewusstsein haben dürfte, dem solidarisches Verhalten und basisdemokratisches Agieren eher fremd sind. Mit dem ersten Angestellten, der ersten Angestellten bei der KIV bzw. beim Verein IGA war klar, dass die oder der jeweilige Angestellte als Teil des Namenslisten-Verbundes KIV natürlich auf die Wünsche und Vorstellungen aus den Dienststellen und anderen Basiseinheiten reagierte und diese umsetzte. Nicht zuletzt die Wünsche des Plenums, was sich bei der Bildung der Joomla-Installation auch gezeigt hatte. Niemandem kam dabei der Gedanke, dass es möglicherweise auch eine formale, arbeitsrechtlich definierte Hierarchie gebe bzw., diese die Leitlinie für KIV-Aktivitäten darstelle.

Für uns alle war Troopy oder wer aus dem "Büro" (die eine Kader-Organisation-Mentalität ausdrückende Bezeichnung "KIV-Zentrale" ist erst in den letzten Jahren geschaffen worden) letztlich der Beauftragte des Plenums und der Dienstellenbasis. Und wenn in einer Dienststelle ein Bedarf war, für dessen Abdeckung Franz sorgen konnte, dann wandte man oder frau sich an ihn. Zumeist höflich und mit einem "Bitte" und "Danke". Dennoch war dies eine Anordnung, die nur im Zweifelsfall durch das Büro und letztlich durch das Plenum zu bestätigen war. Wenn der Verwaltungsbeamte und Stellvertretende Obmann nun meint, der Anweisungen erteilende Mensch fange in der KIV erst beim Vorstandsmitglied an, dann hat er vermutlich recht. Jetzt. Zu Zeiten von Franz war das nicht so. Diese Darstellung des Stellvertretenden Obmanns hatte jedenfalls den Vorteil, dass das Gericht so etwas verstand. Die Gegendarstellung von Franz mit den Erklärungen, wie "anarchisch" die KIV in Wahrheit funktionierte, blieb dagegen Menschen, die dem hierarchischen Denken verfallen sind, und ich vermute, das traf auch auf den Senat zu, unverständlich.

Ab 2014 werde ich den Kläger etwa 10- bis 15mal in Wien gesehen haben, wobei ich zunächst gar nicht wahrgenommen habe, dass es sich bei ihm um einen Angestellten handelt, sondern ich bin davon ausgegangen, dass er möglicherweise auch Mandatar ist.

Für ein Vorstandmitglied zweier die KIV dirigierender Vereine eine bemerkenswerte Uninformiertheit. Es stellt sich die Frage, was dieser stellvertretende Obmann denn überhaupt gemacht hat in dieser seiner Funktion?

Ich habe mitbekommen, dass im Büro Ärger darüber entstanden ist, dass der Kläger nicht erscheint und sich in das Projekt der neuen Homepage nicht einbringt. Ob ihm jemand konkret gesagt hat, dass er zumindest einmal im Quartal oder in einer bestimmten Häufigkeit nach Wien kommen möge, weiß ich nicht. Ich selbst habe mit ihm darüber nicht gesprochen.

Der Stellvertretende Obmann hat also was mitbekommen, weiß aber nichts und hat nicht mit dem, über den gesprochen worden ist, gesprochen. Was sollte das auch einen Stellvertretenden Obmann interessieren?

Das von der Bürokraft angesprochene Telefonat, wonach der Kläger kontaktiert worden sei, weil ein bestimmtes Bild nicht von einem Format ins andere transferiert werden konnte, habe ich danebenstehend verfolgt, wobei ich aber nicht hören konnte, was konkret der Kläger sagte.

Dieser Punkt "Telefonat mit Bürokraft" war keine Frage an den Stellvertretenden Obmann, sondern von ihm selbst eingebracht. Es muß den KIV-Leuten wichtig gewesen sein, das nochmals anzusprechen. Und was sagt er: Ein Telefonat hat er verfolgt, aber nicht gehört, was am anderen Ende der Leitung geredet wurde. Jedoch:

Grundsätzlich kann ich den Verlauf des Telefonates aber bestätigen.

Bestätigen kann er also, was er nicht gehört hat. Außer den offenbar ziemlich unzusammenhängenden Sätzen der Bürokraft, die, wie aus bisherigen Aussagen zu entnehmen ist, nicht imstande gewesen sein dürfte, irgend was nicht Funktionierendes, angeblich mit einer Textverarbeitung (Franz hat ein Problem mit dem Betriebssystem in Erinnerung), entsprechend zu beschreiben.

Das Ergebnis des Telefonates war jedenfalls, dass der Kläger angegeben haben soll, wir mögen das googeln. Angekommen ist es eher wie „rutsch mir den Buckel runter" anstatt wir googeln das gemeinsam oder so was ähnliches. Wie gesagt, den Wortlaut habe ich nicht selbst gehört.

Der Stellvertretende Obmann weiß über das Ergebnis eines Telefonats Bescheid, dessen Wortlaut er nicht selbst gehört hat. Aber irgendwas behauptet. Dass Franz zu vermitteln versuchte, zuerst nach den Fehlermeldungen zu suchen und dann einen Kollegen anzurufen, der sich mit Windows auskannte, hörte der Verwaltungsbeamte nicht, klarerweise, weil er das Ohr ja auch nicht am Telefonhörer gehabt hatte, aber Hauptsache, er behauptet und behauptet. Putzig übrigens die Vorstellung, dass Franz aus der Entfernung von über 300km gemeinsam mit der Bürokraft googelt.

Wir sind in Wien in einem Großraumbüro und reden und essen auch miteinander. Mir ist jedenfalls in Erinnerung, dass die Assistentin sich mehrfach darüber beschwert hätte, dass vom Kläger keine Initiative kommt, und dass die Anforderungen oder Anfragen, bestimmte Aufgaben zu übernehmen, im Sand verlaufen.

Wieder hat der Stellvertretende Obmann irgendwas gehört von jemandem über jemanden und bringt es vor Gericht zum Ausdruck. Nie aber hat er oder sonst jemand gehört, welche Anforderungen oder Anfragen konkret gestellt wurden. Es findet sich im gesamten Gerichtsakt und in der umfangreichen Mail-Korrespondenz zwischen KIV-Leuten und Franz nicht die Spur einer solchen.

Möglicherweise waren auf dem Papierstück, welches er beim letzten Gerichtstermin so angelegentlich studiert hatte nicht Anleitungen für die 5 Tibeter zu lesen, sondern Code-Snippets für zu machende Aussagen?

Über Vorhalt der Blg./13:

Es gibt innerhalb der Personalvertretung Hauptgruppen, darunter auch die, die sich hauptsächlich um den KAV kümmern. Die betreiben auch eine eigene kleine Homepage. Insbesondere von dort ist immer wieder die Kritik gekommen, dass es nicht nachvollziehbar sei, was der Kläger die ganze Zeit mache, wenn diese Mandatare die Homepage nebenbei betreiben können.

Hätte ein Stellvertretender Obmann zweier Vereine und führendes Fraktionsmitglied nicht nachfragen müssen, was es mit einer Kritik auf sich hat? Wenn es schon die Obfrau nicht getan hat, Er hätte beispielsweise bei Franz anrufen können und ihn fragen, was er die ganze Zeit mache. Er hätte ausreichend Informationen bekommen. Wenn er gefragt hätte. Wenn es ihn interessiert hätte.

BTW ist es fraglich, dass diese "eigene kleine Homepage" bei http://brblog.gewerkschaften-online.at selbst technisch betrieben wird, vielmehr nur inhaltlich, also über Eingabemaske.

In diesem Zusammenhang ist es aufschlussreich, dass KIV-Mandatar*innen der Meinung sind, sie müssten ihre eigene Homepage betreiben. Was mag wohl der Grund dafür sein, dass sie sich nicht der hochgelobten, in 3 Minuten Artikel in die Welt schleudernden Wundermaschine bedienen?

Ich habe keine Wahrnehmung dazu, dass dem Kläger irgendwann einmal jemand gesagt hätte, dass er zu wenig arbeiten würde.

Der Stellvertretende Obmann bestätigt damit, dass nur hinter dem Rücken von Franz über Franz geredet wurde. Und das jahrelang, wenn man den vorgelegten "Beweisstücken" aus den Vorstandssitzungen Glauben schenken mag.

Ausgenommen davon natürlich die Sitzung am 14.02.2017, ...

Also bis zu dieser Sitzung hat offenbar niemand dem Franz gesagt, dass er nach Meinung von irgendwem zu wenig arbeite. Vermutlich ist dieses "zu wenig arbeiten"-Gerede aber extra für den Prozess erfunden und abgestimmt worden.

... an der ich ja auch selbst teilgenommen habe. In dem Gespräch am 14.02. habe insbesondere ich die Rolle übernommen, dem Kläger Vorhaltungen zu machen einerseits, dass die Krankmeldung am selben Tag – nur durch ein E-Mail und nicht telefonisch – zumindest ungeschickt war.

Bei diesem Termin war allerdings die Krankmeldung kein Thema. Und, um diesen zu einem Riesenschas aufgebauten Furz im Betriebsalltag nochmals zu beschnuppern: Die E-Mail war erstens am Vortag und nicht am selben Tag, richtete sich an die für die Schulung zuständige Person und Franz, der Mails von seiten der KIV an ihn auch außerhalb seiner Arbeitszeit las und beantwortete, hatte nicht in Betracht gezogen, dass eine sich als Koordinatorin für alles Verstehende, was mit Website zusammenhing, zwei Tage lang nicht in ihre Mails schaute. Ungeschickt. Fürwahr.
Dass der Stellvertretende Obmann, der im früheren Leben auch Personalchef gewesen sein soll, gerade in dieser marginalen Angelegenheit sich voll aufpflusterte, bestärkt den Eindruck, den ich bisher von ihm gewonnen habe. Nämlich keinen guten.

Dass der Kläger EUR 500,- für angebliche für die Homepage nötige Neuerungen ausgegeben hat, ohne das mit dem Dienstgeber abzusprechen, ist auch bei keinem anderen Dienstgeber möglich.

Franz hatte darauf hingewiesen, dass er die Software auf eigenes Risiko gekauft hatte, um sie auszuprobieren und erst nach erfolgreicher Implementierung die Anfrage nach Bezahlung der Software stellte. Versehen mit dem Hinweis, dass er es verstehen würde, wenn die KIV sich weigerte, sie zu bezahlen. In anderen Firmen nennt man das begrüßenswerte Initiative von Angestellten.

Wir haben ihm auch gesagt, wir sind unzufrieden damit, dass er sich nicht meldet und nicht einbringt. Der Kläger ist darauf jedoch nicht eingegangen, und hat sich auch nicht gerechtfertigt und ich hatte den Eindruck, dass das bei ihm nicht ankommt.

Franz konnte nicht darauf eingehen, weil dies in jener Sitzung nicht vorgebracht worden war. Thema waren Arbeitszeitmodelle, die dem Franz hingeklescht wurden.

Es wurde dann auf die Aufgaben in der Zukunft Bezug genommen, nämlich dass der Kläger den Datenaustausch übernehmen solle, und was er dafür lernen müsse und welchen Zeithorizont es in Anspruch nehmen werde.

Was den Datenaustausch, den der Kläger hätte machen sollen, betrifft, so hat der Kläger das so dargestellt, als würde das eine Aufgabe von Monaten sein. Er hat darauf hingewiesen in dieser Besprechung, dass sich das in einem vernünftigen Zeitrahmen nicht ausgehen werde.

Daraufhin wurde eine externe Firma beauftragt, und es hat sich herausgestellt, dass sie nur eine Stunde dafür gebraucht hat.

Wurde bereits mehrfach dargestellt, dass angesichts der Vagheit der Vorstellungen der KIV-Leute und einiger noch offener technischer Fragen seriöserweise kein Termin genannt werden konnte, ehe die beiden Systeme genauer angeschaut würden. Die Erfahrungen der zwei bisherigen Migrationen haben die Dauer für eine Person auf mehrere Monate realistisch erscheinen lassen. Faktisch hat es auch mehrere Monate gedauert, bis die neue Website online war. Der Mythos der 1 Stunde wird auch vom Stellvertretenden Obmann bedient.

Dann sind eben auch die Arbeitszeitmodelle angesprochen worden, wobei eines davon war 20 Stunden weiterhin im EDV-Bereich tätig zu bleiben, allerdings mit einem erweiterten Aufgabengebiet. Wir sind davon ausgegangen, dass jemand, der EDV-affin ist, über die Betreuung der Homepage hinaus auch andere Leistungen erbringen könne.

Kurz gesagt: Kürzung der Arbeitszeit und beträchtliche Vermehrung der Aufgaben. Richtig toll für einen gewerkschaftlichen Betrieb. Der sich dann auch nicht die Bohne dafür interessiert, was der Angestellte bislang gemacht hatte bzw. wieviel Zeit das Produkt "Laufende und immer wieder verbesserte Website mit Zuführung von Artikeln sowie stetiges aktuell halten hinsichtlich von Updates" benötigt.

Konkret wurde dann noch darauf hingewiesen, dass der Kläger auch in der Lage sein sollte, Fragen zu beantworten, die mit Windows PC und Programmen auftauchen können. Da wir alle keine EDV-Experten waren, war es uns auch nicht realistischerweise möglich, konkrete Arbeitsanforderungen an den Kläger zu stellen.

Sie haben zwar nicht gewusst, was getan werden muss, aber Franz sollte was tun, was sie ihm nicht sagen konnten. Dass er bei PC-Problemen immer gerne und schnell bei allen PC-Problemen geholfen hat, ist von vielen KIV-Menschen mehrfach bestätigt worden.

Soweit ich mich erinnere, war mit dem Kläger vereinbart, dass er sich Anfang bis Mitte März dazu äußern solle, welches der beiden angebotenen Modelle er wählen möchte. Die erstmalige Kontaktaufnahme erfolgte dann durch das bereits heute mehrfach erwähnte E-Mail Blg./10.

Das ist unrichtig. Es gab einen regen E-Mail-Verkehr zwischen Franz und etlichen KIV-Leuten in diesem Zeitraum, unter anderem wegen der Vorbereitung der KIV-Zentrale auf die offenen Zeitausgleichstunden und Urlaube. Zur ausgemachten Zeit kam auch die E-Mail, die keineswegs so überraschen konnte, wie der Stellvertretende Obmann nun behauptet:

Liegende, alte Leiche
Wikipedia. Foto: Joadl. CC BY-SA 3.0[

Als ich dieses E-Mail gesehen habe, hat es mich buchstäblich „umgehaut". Die Situation war für mich eher surreal.

Ein Stellvertretender Obmann, der lange nicht mitkriegt, dass ein Angestellter des von ihm beobmannten Vereins ein Angestellter desselben ist, ein Obmann, der die meisten Sachen nur vom Hörensagen kennt oder gar nicht miterlebt hat, aber alles bestätigt, scheint mir zwar nicht surreal, aber voll daneben zu sein, was seine Funktion betrifft. Besser gesagt, da es ihn ja umgehaut haben soll: voll daneben zu liegen.

Wir haben dem Kläger im vorangegangenen Gespräch ja gesagt, dass wir unzufrieden sind und dass die Arbeit neu verteilt werden müsse und auch über seine zukünftige Rolle dabei.

Dem war, wie oben angemerkt, keineswegs so. Der Stellvertretende Obmann macht sich seine Welt, wie sie ihm gefällt, scheint es. Oder wie die Obfrau sie ihm zuflüstert.

Statt dessen kommt ein E-Mail, in dem er praktisch zum Ausdruck bringt, dass er aufgrund der angeblichen Überstunden und des in Anspruch zu nehmenden Zeitausgleiches jetzt einmal zwei Jahre nicht da sein werde.

Dies ist der Mail keineswegs zu entnehmen. Aber der Stellvertretende Obmann scheint gerne misszuverstehen und dieses nichtverstandene Nichts aufzublasen zu Monstren, die dann surreal genannt werden.

Es war mir auch nicht erklärlich, warum der Kläger, wenn er angeblich so viele Überstunden gehabt hat, das nicht bereits im Gespräch vom 14.02.2017 angesprochen hat.

Weil das Bedürfnis nach Klärung der Überstunden und offenen Urlaube erst nach dem Gespräch, in dem die bisherigen Kolleg*innen und Freund*innen sich als rigide, wenn auch konfuse Dienstgeber entpuppten, bei denen nicht sicher schien, wie weit Versprechungen und Zusagen noch gehalten würden, in den Vordergrund gerieten.

Die Entscheidung ist in der Bürositzung vom 16.03.2017 getroffen worden, die Obfrau und ich waren die Betreiber.

Interessanterweise liegt im Unterschied zu ebenfalls vorgelegten angeblichen Protokollen von "Vorstandssitzungen" über diese entscheidende Sitzung, in welcher die Obfrau und ihr Stellvertreter die Kündigung von Franz durchsetzten, nur ein Gedächtnisprotokoll der Obfrau vor. Welches von keinem der Beteiligten so bestätigt wurde und es den Anschein hat, dass niemand von den Beteiligten sich als "Kündiger" von Franz sah, sondern die Kündigungsentscheidung als Angelegenheit der Obfrau/mannschaft. Indirekt bestätigt der Stellvertretende Obmann dies auch.

Über Vorhalt der Blg./12:

Der Sitzungsverlauf ist hier korrekt dargestellt. Der Kündigungsgrund war, wie hier auch angeführt, dass die

  1. Vertrauensgrundlage nicht mehr gegeben war, und der Kläger

  2. keinen Kontakt zum Dienstgeber hält und

  3. nicht reagiert, obwohl übermittelt wurde, dass dringend Unterstützung gebraucht werde.

Konkret wurde am 14.02. besprochen, dass der Kläger

  1. nicht regelmäßig nach Wien kommt, dass er

  2. sich nicht einbringt bei der Umgestaltung der Homepage, dass diese

  3. Art von Krankmeldung sehr unklug war.

Das wären die Kernpunkte, die letztendlich auch die Kündigungsgründe dargestellt haben.

Na dann schauen wir uns die "Kernpunkte", die der Stellvertretende Obmann vorbringt, mal an:

  1. Kündigungsgrund fehlende Vertrauensgrundlage – wo hat Franz irgendein Vertrauen der KIV-Leute missbraucht oder Grund gegeben, dass man ihm nicht mehr traut? Selbst wenn vom Dienstgeber angeführte Überstunden etc. nicht anerkannt würden, aus formalen oder sonstigen Gründen, dann ist das eine Auseinandersetzung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die so oder so entschieden wird. Aber was hat das mit Vertrauensgrundlage zu tun?

  2. Kündigungsgrund hält keinen Kontakt zum Dienstgeber – da gehören zwei dazu. Franz war nicht verschwunden oder auf einer Insel ohne Internetanschluss. Es gab die ganze Zeit regen Mailverkehr über Angelegenheiten der Website. Die Dienstgeberin hätte nur einen konkreten Termin – wie dann beim Februartermin – zu nennen brauchen und Franz wäre nach Wien gekommen. Nur zur Gesichtswäsche in einer hektischen Büroatmosphäre ohne konkreten Gesprächsbedarf nach Wien zu kommen, wäre erstens teuer und zweitens sinnlos.
    Da von der "Koordinatorin" des Umstiegs auf Wordpress in jener Zeit ein Schweigegelöbnis in Richtung Franz gelobt zu werden schien, erfuhr er auch nicht, wie der Stand des Projekts war und was von ihm verlangt werden würde. Das einzig Konkrete war der Schulungstermin im Dezember, bei dem er leider krank wurde und sich auch einen Tag zuvor per Mail an die "Koordinatorin" auch krank gemeldet hatte, in der Annahme, dass sie und nicht die Obfraumannschaft den Kontakt zum Schulungsleiter hielt und ihm absagen konnte.

  3. Kündigungsgrund und nicht reagiert, obwohl übermittelt wurde, dass dringend Unterstützung. Worauf hat Franz nicht reagiert? Behauptungen und nichts Konkretes. Welche Unterstützung hat er nicht geliefert? Wie dringend kann es gewesen sein, wenn sich dies in keiner Weise im Mailverkehr niederschlägt?

  4. Kündigungsgrund nicht regelmäßig nach Wien kommt. Dienstgeber hätte jederzeit Termine und Themen angeben können, zu denen Franz dann gekommen wäre. Hat Dienstgeber nicht gemacht. Aber Kündigungsgrund.

  5. Kündigungsgrund sich nicht einbringt bei der Umgestaltung der Homepage. Auch hier: Von Anfang an keine Einbeziehung von Franz in die Entscheidungsabläufe, ob und wie Website umgestaltet werde. Keine Kontaktaufnahmen seitens der "koordinierenden" Assistentin über Wochen. Keine Aufträge. Natürlich auch keine Anfragen, wie Franz das sieht und was er vorschlagen könnte. Als Franz sich im fraglichen Zeitraum telefonisch nach dem Stand der Dinge erkundigte, hörte er wie die mit ihm telefonierende Assistentin zu der Obfrau auf deren Frage, was Franz denn sage, mit einem "Blablabla" antwortete. Kommunikationskultur vom Feinsten in der KIV.

  6. Kündigungsgrund Art der Krankmeldung sehr unklug. Selbst wenn das so stimmte, was es nicht tut: 1x unklug = 1x Kündigung?

Also das versteht der ehemalige Personalchef und jetziger Stellvertretender Obmann einer linken gewerkschaftlichen Gruppierung unter angemessenen Kündigungsgründen!

Über Befragen durch den BV: Die Assistentin hatte weitgehend freie Hand und musste sich nur an uns wenden, wenn sie Geld oder sonstige Ressourcen gebraucht hat. Da weder die Obfrau, noch ich besonders EDV-affin sind, haben wir da größtmögliche Freiheit gelassen. Es ist mir nicht mehr erinnerlich, ob die Assistentin – aus einer Unsicherheit heraus – den Umstieg auf konkrete WordPress mit uns abgestimmt hat, sie hätte es aber jedenfalls auch alleine machen können.

Nach der Aussage des Stellvertretenden Obmanns hätte also eine Mitarbeiterin, welche aus eigener Bekundung grad mal Artikel in ein CMS online stellen kann, dazu ermächtigt, die Entscheidung über die Notwendigkeit eines aufwendigen und so oder so teuren Wechsel eines Systems zu treffen. Ohne ihr den Auftrag zu geben, sich mit dem in dieser Hinsicht kompetenten und für das laufende System Verantwortlichen zu beraten und abzustimmen. Es wäre praktisch der Freibrief gewesen, zu machen was sie will, ohne Rücksicht auf Verluste und fachlicher Beratung – der Marketingexperte, dem die Systemwahl von einigen Zeug*innen zugeschrieben wurde, hat sich bekanntlich keineswegs als Experten für die Joomla-oder-Wordpress-Entscheidungen verstanden. Aber das dürfte die für all das mit freihändiger Verantwortung betraute Assistentin gar nicht überringelt gehabt haben.

Das Kunstwerk von oben rechts gezeigt.
Salvador Dali: Profile Of Time. Foto: Julo.

Die neue Website funktioniert tadellos. Die Artikel können innerhalb von drei Minuten auf dieser Homepage gezeigt werden.

Die alte Website funktionierte tadellos. Die Artikel konnten jederzeit online gestellt werden. Das mit den drei Minuten ist wieder sowas Surreales des Stellvertretenden Obmanns. Denn auch ein fix und fertiger Artikel braucht noch die Auszeichnung der Zwischenüberschriften, muss noch beschlagwortet und kategorisiert werden, sowie Beitragsbild und allenfalls Artikelbilder hochgeladen und an der richtigen Stelle eingefügt werden. Das ist halt so bei CMS-Systemen. Ob Joomla oder Wordpress. Ist nicht schwerer als mit einer Textverarbeitung zu arbeiten. Aber auch nicht leichter. Ob das auch zu surreal ist?

Im übrigen sind bekanntlich die Artikel für die neue Website auf ein Fünftel gesunken und die Artikelschreiber*innen auf ein Zehntel.

Über Befragen durch den KV:

Ich konkret habe den Kläger auf den herrschenden Unmut nicht angesprochen. Wir sind ja auch davon ausgegangen, dass der Kläger nach Wien kommt, dann hätten wir das mit ihm besprochen. Dazu ist es aber dann letztlich nicht gekommen.

Über das E-Mail habe ich mit dem Kläger nicht mehr gesprochen, weil ich diese Forderungen für absolut überzogen halte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand 10 Jahre nicht auf Urlaub geht und dann auch noch 1.000 Überstunden aufbaut, ohne dass das jemals zur Sprache gebracht wird. Ich habe es nicht für sinnvoll gehalten, darüber noch zu diskutieren.

Also auch hier das Eingeständnis, dass nicht mal versucht wurde, mit Franz über seine Vorschläge zu reden. Die Chefs von gewerkschaftlichen Organisationen haben es doch nicht nötig, sich mit den Angstellten inhaltlich und auf Augenhöhe auszutauschen. Lieber hinterrucks und von oben herab.

Liegender Mann, Grafik