„Sind Sie zufrieden? Zufrieden mit der Gewerkschaftsvertretung, wie sie in den letzten vier Jahren praktiziert wurde? Haben Sie für Ihren Geschmack die Politik der Personalvertretung ausreichend mitbestimmen können? Wurden Sie gefragt, was Ihre Gewerkschaftsvertretung für Sie vertreten soll? Genügen Ihnen die Informationen, die Sie von Ihrem Gewerkschaftsvorsitzenden erhalten haben? Haben sich die letzten Gehaltserhöhungen bei Ihnen entscheidend ausgewirkt? Durchschauen Sie den Aufbau und die Entscheidungsstruktur unserer Gewerkschaft?“

So begann die "Namensliste für Konsequente Interessenvertretung" im Frühjahr 1978 ihren Aufstand gegen die verkrusteten Verhältnisse im Magistrat und in der Gewerkschaft. Grundlegende Anliegen waren Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Transparenz und Mitwirkung der Basis in den Entscheidungsprozessen der Gewerkschaft. Die häufig geäußerte Kritik der KIV lautete: Der Mensch fängt in der Gewerkschaft erst beim Funktionär an! Das wollten wir ändern. Und haben natürlich gegen Maulkorberlässe kampagnisiert und gegen Unterdrückung freier Meinungsäußerung durch Stadt Wien und die von der FSG domestizierten Gewerkschaft.

Umgehend wurde ihr von der Mehrheitsfraktion Untergrabung des Betriebsfriedens, Hetze und Aufstachelung nachgesagt. Die Aktivist*innen der KIV wurden als Unruhestifter und als linksextreme Unterwanderer der Gewerkschaft bezeichnet, als übrig gebliebene 68er, Linkskatholiken, Sozialisten am linken Rand, Kommunisten, Trotzkisten, Feministinnen und Maoisten. War alles nicht ganz falsch ;-) In der KIV fanden sich tatsächlich Menschen aus den verschiedensten politischen Bewegungen, die nicht mehr nur "Große Politik" machen, sondern an ihren konkreten Lebensbedingungen, also an den Arbeitsprozess anknüpfen wollten.

Inzwischen sind 41 Jahre vergangen.

Und was sagt die KIV heute angesichts einiger kritischer Kommentare auf ihrer Facebookseite durch Aktivist*innen einer beeindruckenden Bewegung im Pflegebereich, die erst dieser Tage ohne Unterstützung von FSG und KIV eine Demonstration von an die tausend Bediensteten auf die Beine gestellt hat?

Pflegepersonal mit grünen OP-Häubchen bei der Demonstration
Quelle: https://www.facebook.com/Gleicherlohngleichearbeit/

Liebe Leute,
momentan gibt es seitens der Revolutionär Sozialistischen Organisation (RSO) intensive Versuche, die KIV, vor allem im Krankenanstaltenverbund, zu unterwandern. Es ist erklärtes Ziel der RSO, Organisationen zu infiltrieren und von innen zu zerstören. Das wollen wir für die KIV nicht.
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Es tut uns Leid, dass wir zu einem so ungewöhnlichen Schritt gezwungen wurden. Die KIV steht weiterhin für Transparenz, Offenheit und Demokratie, aber auch für politische Unabhängigkeit. Gerade deswegen können wir es uns nicht erlauben, einer radikalen politischen Organisation unsere Facebookseite und unsere Fraktion als Spielwiese zu überlassen.
Eure KIV

Die KIV zählt heute offenbar zu jenen, vor denen sie immer gewarnt hat.