Es grünt so grün – und dann verdorrt es

Ein Mandat bei den Wiener Stadtgärten (damals Stadtgartenamt) zu erringen, bezeichnete Renate Schön einstens als eine ihrer Herzensangelegenheiten, da sie aus familiären Gründen eine enge Beziehung zu diesem Bereich hatte. Und es gelang. Viele Jahre lang war dort ein kleines, aber sehr rühriges Team der KIV tätig und hatte zuletzt auch drei Mandate im Dienststellenausschuss. Bei dieser Wahl trat es leider nicht mehr an. Vermutlich, weil die Akteur*innen nicht mehr aktiv im Dienst sind. Sehr schade, dass keine Nachfolger*innen gefunden werden konnten.

Erfolg und Konversion

Eine weitere Herzensangelegenheit für Renate war natürlich die Dienststelle der damaligen MA 12 (heute MA 40) "Soziales und Gesundheit", dort, wo die KIV 1978 erstmals kandidiert und 1 Mandat errungen hatte. Unter den Sozialarbeiter*innen der Abteilung hatte die KIV vermutlich bald eine gediegene Mehrheit, da aber die mehrheitlich aus SPÖ-Sektionen rekrutierten Saisonbediensteten für die Pensionistenheime ebenfalls wahlberechtigt waren, gab es unterm Strich stets eine Mehrheit für die SPÖ.

2006 änderte sich dies: erstmals errang die KIV mit Renate Schön als Spitzenkandidatin die Mehrheit. Leider war sie aufgrund ihrer Krankheit nicht mehr imstande, die Funktion zu übernehmen. An ihre Stelle trat der Zweitgereihte, ebenfalls ein langjähriger Aktivist der KIV – und der wechselte zur FSG ...

Als Spitzenkandidat der FSG erreichte dieser Neu-FSGler in der folgenden Wahl und in den weiteren bis heute die Mehrheit. Die KIV hat sich von diesem Coup nie mehr erholt. Dies war eine der schmerzlichsten Erlebnisse für Renate und natürlich auch für Troopy, der in diesem Bereich das erste KIV-Mandat überhaupt inne gehabt hatte.

Aufstandsstimmung und Mandateschwund

Für Troopy war ein weiterer Bereich eine große Herzensangelegenheit und er steckte viel Kraft und Liebe in das Projekt "Mehrheit in den Kindertagesheimen". Es war nicht nur deswegen, weil die KTHs eine große Abteilung sind und eine erfolgreiche Kandidatur dort sich stark auf die Gesamtergebnisse und damit auf Einflussmöglichkeiten und Ressourcen auswirkt, sondern auch, weil es in diesem Bereich schon in den 90ern zu "wurln" begann. Einerseits wegen der Arbeitsbedingungen (viel zu große Gruppen, ständig steigender bürokratischer Kram u.v.a.m.), anderseits wegen der Bezahlung, die wie in allen Bereichen, wo überwiegend Frauen arbeiten, erbärmlich gering war. Und schließlich begann sich unter den Angestellten in den Kindertagesheimen ein Bewusstsein über die gesellschaftspolitische Relevanz von Care-Arbeit zu entwickeln, was den einzelnen Forderungen einen über die Abteilung hinausgehenden politischen Bezug gab. In den 90ern fing es auch recht gut an und die KIV-Kindergärtnerinnen rüttelten 1998 kräftig an der FSG-Mehrheit. Doch dann ...

Diagramm KIV-Wahlergebnisse 11998 bis 2019

Multifunktion oder basiswappeln?

Seit dem Höhenflug im Jahr 1998 repräsentiert ein und dieselbe Spitzenkandidatin die KIV in den Kindertagesheimen. Sie war und ist freigestellt und konnte sich nicht nur auf die Büroressourcen stützen, sondern viele Jahre lang auch auf die politische und taktische Unterstützung durch Troopy. Dennoch ist ein ständiger Niedergang der KIV bei den Kindergärten zu verzeichnen, obwohl die Problematik der Care-Arbeit eher noch brisanter geworden ist und die Sensibilität unter den Bediensteten dafür gestiegen. Siehe die Erwartungen vor der Wahl 2010:

"In den Wiener Kindergärten hat sich einiges getan – Stichwort „Kindergartenaufstand“ – und das deutlich sichtbar für die KollegInnen auf Betreiben der KIV. Die „Rüge“ der Gewerkschaft für das erfolgreiche Agieren der KIV/UG dafür („überflüssiger“ Aktionismus war noch das Gelindeste) ist bei den KollegInnen sauer aufgestoßen" Quelle: alternative.org, April 2010 Siehe auch Unterschriftenkampagne Personenkomitee

Kindergärtnerinnen mit KIV-Transparent
Mehr als zweitausend KollegInnen waren für ihre Anliegen auf der Straße

Diese Aktionen waren durchaus erfolgreich: 18 Millionen Euro für mehr Personal und etliche Verbesserungen und Aufwertungen für die Bediensteten der Kindergärten plus Ausverhandlung eines "Kindergartenpakets" Siehe auch Unterschriftenkampagne Personenkomitee

Übrigens, die verlinkten Artikel aus früheren Zeiten plus die Fotos stammen aus einer Sicherung der alten Joomlainstallation, die Franz angelegt hatte. Auf der neuen Homepage der KIV ist von diesen auch heute noch interessierenden Ereignissen nichts zu finden.
Eine Organisation, die ihre Geschichte preisgibt, verliert auch die Zukunft ...

Die KIV konnte wenige Monate nach diesen Ereignissen bei den Personalvertretungswahlen bei den Kindergartenpädagoginnen ein besseres Ergebnis als 2002 erzielen (2006 war auch über die Waybackmachine nicht zu finden). Bei den Assistentinnen verlor sie aber und die Ergebnisse von 1998 waren sowieso außer Reichweite. Die relativen Gewinne waren 2014 wieder deutlich futsch und 2019 war ein Desaster.

Reflexionsbedarf, doch immer weiter

Es wäre anzunehmen gewesen, dass wegen der ausbleibenden Wahlerfolge angesichts einer objektiv günstigen Situation für eine oppositionelle Fraktion schon längst eine grundlegende selbstkritische Reflexion stattfinden hätte müssen. Sie hat auch teilweise zumindest stattgefunden, nur offenbar ohne brauchbaren Resultate. Zu reflektieren wäre auch, ob die Erfolglosigkeit der Spitzenkandidatin und ihres Teams in ihrem Bereich vielleicht mit den zahlreichen Gesamt-KIV-Aufgaben zusammenhängt, die sie übernommen hat. Sie ist ja, wie aufmerksame Leser*innen dieses Blogs sicherlich bereits wahrgenommen haben, nicht nur die Sprecherin der KIV, sondern auch Vorsitzende des Vereins "KIV", und des für die Angestellten der Unabhängigen Gewerkschafter*innen zuständigen Vereins "IGA". Dass sie auch im Bundesvorstand der Unabhängigen Gewerkschafter*innen sitzt, ist da nur noch das Sahnehäubchen.

Die Frage wäre naheliegend, ob nicht eine massive zeitliche, politische und persönliche Überforderung dieser mit vielen Funktionen betrauten KIV-Funktionärin besteht, was weder dem Bereich Kindertagesheime noch der KIV als Gesamtorganisation gut tun kann. Vielleicht sollte angesichts der letzten Wahlergebnisse und der Tatsache, dass im Krankenanstaltenverbund die Care-Bewegung erst so richtig im Anlaufen ist, ein personeller und vor allem strategischer Wechsel angedacht werden. Mehr politische Arbeit vor Ort, weniger Einvernehmen mit der FSG und mehr Solidarität mit der Bewegung etwa.

Süßer Vogel Jugend

Eine weitere Herzensangelegenheit der KIV war immer die Jugend, insbesondere die Schulabgänger*innen, die im Magistrat als Lehrlinge aufgenommen werden. Und umgehend von der FSG in die von ihr dominierten Gewerkschaftsjugend gelotst (was ja gut ist) und (partei)politisch beeinflusst werden (das schon weniger). Bisher ist es nicht gelungen, hier in diesen für die Zukunft der KIV enorm wichtigen Bereich hineinzukommen und für junge Gemeindebedienste attraktive Angebote zu erstellen.

Doch vielleicht schafft die KIV jetzt den Durchbruch: Wie die KIV-Vorsitzende vor dem Arbeitsgericht aussagte, sei ihr Sohn, der ein Drittel der durch die Kündigung von Franz frei gewordenen Stunden bekommen hat, neben der Betreuung des Buffets für die 4x jährlichen Plena auch dafür angestellt worden, um die KIV "im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit bei jungen Gemeindebediensteten" zu unterstützen. Nun ja, auf der Homepage finden sich grad mal 7 Artikel allgemeinerer Art zum Thema. Jugend selbst kommt da nicht zu Wort, sondern nur Reflexionen über die Situation junger Menschen im Gemeindedienst und weltweit.

Aber vielleicht ist der auf der Website beworbene Instagram-Account voll angesagt und es strömen ihm junge Gemeindebedienstete wie Bienen dem Honig zu?

Oh wait ...

Instagram-Profil der KIV

... der letzte Beitrag auf Instagram stammt vom März 2018.

Tja, Herzensangelegenheiten können richtig weh tun.