Ungeachtet des Cliffhangers vom vorigen Beitrag knüpfe ich jetzt an den Beitrag „Neue Homepage und Kündigung“ an, da die Frage der Homepage ja Anlass ... Auslöser? Grund? vorgeschoben? ... ,jedenfalls der Beginn eines Prozesses war, an dessen Ende die Kündigung von Franz stand.

Wie erinnerlich, war es aus Kosten-, Performance-, Features-, Erscheinungsform- und Servicegründen für die KIV beschlossene Sache, die Website nicht mehr vom ÖGB-Verlag hosten zu lassen, sondern eine eigene aufzusetzen.

Programmauswahl

Unter den quelloffenen, damit kostenlosen CMS-Programmen waren und sind Typo-3, Joomla und Drupal die am häufigsten verwendeten, wenn man von Wordpress absieht, das aber ursprünglich ein Blogprogramm ist, welches im Laufe der Entwicklung und durch Erweiterungen auch als CMS gebraucht werden kann und wird.

Typo-3 ist das Schwergewicht der eigentlichen CMS-Programme. Für es spricht die ungeheuere Anwendungsvielfalt und die Eignung für überaus komplexer Websites mit den unterschiedlichsten Funktionsanforderungen, sowie eine hochprofessionelle Community. Die Administration ist sehr herausfordernd, ganz abgesehen von der anfangs sehr steilen Lernkurve. Da für die KIV nur ein Teil der angebotenen Anwendungen in Frage kam, war Typo-3 zu überdimensioniert und schied für den Entscheidungsprozess aus.

Drupal und Joomla sind einander recht ähnlich. Wobei Drupal hinsichtlich Anwendungsfreundlichkeit und Komplexität ungefähr zwischen Typo-3 und Joomla rangiert. Die Entscheidung für Joomla war für eine Website wie die KIV daher am naheliegendsten. Wordpress kam damals wegen seines eher Blogcharakters und geringerer Möglichkeiten nicht in Frage.

Also Joomla.

Installation des Programms, migrieren vieler, vieler Dateien aus dem alten Server hin zur Joomlainstallation. Eine mühsame, zeitaufwendige und langweilige Arbeit, die von Franz, wie alle anderen für die Website alleine erledigt wurden. Normalerweise sind dafür drei verschiedene Akteur*innen zugange: Grafiker*in, Datenbankspezialist*in und Techniker*in. Die fertige Website ging am 1. Mai 2013 online und wurde von Franz im KIV-Magazin so vorgestellt (man beachte den Unterschied zu vorher und die Betonung der Interaktion):

Text zur neuen Homepage

Die Seite sah in etwa so aus (Screenshot aus einem Archiv):

Bildschirmfoto der neuen Homepage 2013
Joomla. "Above the fold"

Die linke Seitenleiste weist zwar gleich hin auf die Dienststellen, wo die KIV aktiv ist, ist optisch aber nicht so ganz der Renner, könnte man sagen. Doch war diese Leiste von Franz ursprünglich auch nicht vorgesehen, sondern ausdrücklicher Wunsch jener KIV-Kolleg*innen, die den Entwurf diskutierten. Franz hätte die Dienststellen lieber hinter einem Button "Bereiche" aufgelistet, ungefähr das, was in der neuen KIV-Homepage unter "AnsprechpartnerInnen" läuft. Der Grund ist mehr freier Raum und mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Doch die KIV-Basisdemokratie hat anders entschieden. ;-)
Es wäre mit Joomla natürlich jederzeit ein Leichtes gewesen, etwas an der Gestaltung der Seite zu ändern, also etwa die Leiste zu entfernen und die Dienststellen mittels Button zugänglich zu machen, wie es in der Wordpress-Home nun umgesetzt wurde:

Wordpress

Bildschirmfoto der neuen Homepage 2019
Wordpress. "Above the fold"

Im Vergleich auf einem 15,6" Laptop wirkt die Wordpress-Installation kompakter und hat als Eyecatcher gleich das derzeit Wichtigste, die Wahl zur Personalvertretung und Gewerkschaft. Gut sichtbar auch der weiterführende Button "Jetzt informieren". Oben die Menüleiste und unten drei Punkte zur Organisation scheinen ein guten Mix an Punkten zum Ansteuern zu sein (... aber – siehe unten).
Bei der Joomla-Installation sind mehr und vielfältigere Informationen auf einem Blick zu sehen, was den Gesamteindruck uneinheitlicher macht. Für das rasche Orientieren aber vergleichsweise ergiebiger.

Vergleich 2. Blick

Im Folgenden ein Vergleich, was man sieht beim Scrollen, denn der erste "above-the-fold"-Blick wird in der Regel zumeist durch Scrollen rasch verlassen. Hier der sozusagen zweite Blick, zum Darstellen hier statt Scrollen eine Reduktion der Seiten auf 50%, diesmal beginnen wir mit der aktuellen Wordpress-Seite:

Bildschirmfoto der neuen Homepage 2019
Wordpress. Zweiter Blick.

Drei Punkte aus dem Menü oben (Personalvertretung, Politische Arbeit, AnsprechpartnerInnen) werden nun als Box mit je einem erläuternden Satz wiederholt.

Ob man nun auf Personalvertretung (2 Buttons), oder oben im Menü auf "Zentrale" klickt, zu allererst sind die Mitglieder der KIV-Zentrale zu sehen. Bei "AnsprechpartnerInnen" (2 Buttons) ist der oberste Eintrag ebenfalls "Zentrale" und der Link führt ebenfalls zum Ensemble der zentralen Mitarbeiter*innen. Abgesehen von der Redundanz scheint es mir ein wenig entfernt vom basisdemokratischen Impetus, wenn die leitenden Funktionär*innen derart in den Mittelpunkt (5 Buttons → Zentrale) gestellt werden.

Darunter ist so eine Art Glücksspielautomat (Kiv in Zahlen), beim Scrollen wirbeln eine Weile die Zahlen zu Artikeln, KandidatInnen, Dienststellen, Beratungsstunden bis sie zur Endzahl kommen. Nach dem zweiten Mal anschauen nervt diese Nachbildung eines einarmigen Banditen, um es mal so zu sagen, schon ziemlich. Wenn es aber der Wille der KIV-Basis gewesen wäre, sich sowas Performancefressendes auf die Seite zu holen: Joomla kann das auch, aber ressourcenschonender ;-)

Der Informationsgehalt mit diesem zweiten Blick ist jedenfalls sehr gering. Im Grunde geht er nicht über die Menüleiste und den Blickfang vom above the fold hinaus.

Die Joomla-Seite stellt sich auf dem Zweiten Blick ganz anders dar:

Bildschirmfoto der neuen Homepage 2013
Joomla. Zweiter Blick

Gegenüber der Wordpress-Seite ist hier eine Fülle an Informationen und Springpunkten zu sehen. Die Chance, dass man von der ersten Seite gleich dorthin kommt, wo man hin will, ist in dieser Joomlaseite groß. Kompakt dagegen ist sie beileibe nicht. Möglicherweise wirkt sich die Vielfalt auch verwirrend aus.

Was wollen Besucher*innen sehen?

Bei dem Vergleich ist neben ästhetischen Komponenten auch zu überlegen, wer zur KIV-Seite stößt. Kaum jemand, der oder die zufällig dahin gelangt. Zumeist wird es ein konkretes Anliegen sein. Entweder den Kontakt mit einem Mitglied der Personalvertretung oder der Zentrale aufzunehmen. Oder Informationen über gewerkschaftliche oder Aktivitäten der Personalvertretung zu bekommen. Weniger interessiert sind die Menschen, die auf die KIV-Homepage gelangen, wohl an flimmernden Spielereien. Dieser sehr funktionale Bezug der wohl meisten KIV-Seiten-Besucher*innen spricht meines Erachtens eher für die für Joomla gemachte Lösung. So habe ich auch im Gegensatz zu Franz für die Seitenleiste mit den Dienststellen plädiert, obwohl dies die Gestaltungsmöglichkeiten der Seite einschränkt.

Die Joomla-Seite ähnelt von der Gesamtgestaltung eher Informationsportalen wie dem Standard, der damit angeblich nicht unerfolgreich ist:

Bildschirmfoto der Standard-Homepage
Der Standard

Es sollte überflüsssig sein zu sagen, aber angesichts diverser Wortmeldungen, bei der Homepage-"Diskussion" in der KIV: Die optische Gestaltung hätte von Joomla aus in jede gewünschte Form, auch in jene, wie sich die Wordpress-Seite jetzt darstellt, geändert werden können, mit recht wenig Aufwand und tausende € weniger Kosten.

Wie und warum dies nicht so geschah, darüber berichtet ein späterer Beitrag.