Wortwolke der Teilnehmer*innen von Büro/Vorstandssitzungen

Zwischen Februar 2015 und Juni 2016 produzierten die Teilnehmer*innen der Büro/Vorstandssitzungen obige Wortwolke (Größe nach Häufigkeit) in Bezug auf die Website und auf Franz.

Auffällig ist, dass nach dem ersten Protokoll vom Februar 2015 ein Jahr lang dem Büro die selbst gestellten Fragen herzlich egal sind, ehe Jänner 2016 das Thema wieder aufpoppt und das Tempo erhöht wird.

Die Bürotiraden im Ablauf:

19. Februar 2015

Erscheinungsbild unübersichtlich. KollegInnen sind damit unzufrieden. Wollen teilweise selber Artikel draufstellen - nach Anlass. System zur Bearbeitung sehr aufwendig. Kann nicht auf leichtere Weise umgestellt werden? Was kostet die hp und warum sind so viele Stunden dafür notwendig? Kostet zu viel Geld. Wird die hp in dieser Form wirklich gebraucht? Sollten wir nicht nur mit facebook arbeiten. Mit dieser hp sprechen wir die Jungen ganz sicher nicht an? Was macht Franz außer der hp?

Zwischen dieser Sitzung und der nächsten ein Jahr später herrschte keineswegs Stillschweigen zwischen Büro/Zentrale und Franz. Es gab einen regen Mailwechsel zu allen möglichen Themen. Die Homepage und die Arbeitsleistung von Franz zählten nicht dazu

14. Jänner 2016

Ungeklärt hp. Rückmeldungen nach wie vor negativ. KIV Leute wollen anderes Erscheinungsbild und bessere Struktur. Es braucht zu lange bis die wirklichen Infos gefunden werden und die hp ist alt und nicht einladend. Wer braucht ein Archiv seit Gründung der KIV. Bei steigenden Ausgaben ist der Luxus für einen Angestellten für die hp nicht möglich. Erreichen wir damit wirklich neue KandidatInnen oder WählerInnen? Nein. Die Arbeit an den Dienststellen wird mehr und wir brauchen die Leute vor Ort. L. und N. brauchen wir bei Aktionen. Wer macht dann die liegengebliebene Arbeit. Wo steht, dass Franz nur in Kärnten arbeitet? Wer hat Kontakt zu Franz und wie oft muss er nach Wien kommen. Schult er Leute noch auf hp ein? Wer schreibt Artikel für die hp? Bitte überlegen, wie wir das zukünftig machen. Wir haben jetzt schon Ausfälle wegen Überlastung in der PV Arbeit – besonders in der Hauptgruppe II. Das muss anders gehen, sonst werden wir bei der nächsten Wahl schlecht abschneiden. Das Geld für die KIV soll gut verwaltet werden und wir sollen alle dahinter stehen. Hp soll neu gemacht werden. Wer wird im Büro dafür verantwortlich sein? Vielleicht L.?

In diesem Zeitraum von 2 Monaten fanden 103 Mails ihren Weg von der KIV-Zentrale und retour.

10. März 2016

Sache mit hp ist noch immer ungeklärt. Wie ist die Aufteilung der Angestellten? Wie kann Franz besser genützt werden. Wenn wir unsere Funktionsgebühren abliefern, muss auch was für uns herausschauen – Arbeitserleichterung. Hp ist keine Arbeitserleichterung. Franz sollte eigentlich in Wien arbeiten. Wir brauchen hier unsere Angestellten. In Kärnten nützt uns das nicht viel.

In diesen 3 Monaten bis zum nächsten Tiradenprotokoll waren es 184 Mails.

10. Juni 2016

Facebook/Homepage HP hat sich nicht zeitgemäß entwickelt, Wunsch nach „flotterer“ und benutzerInnenfreundlicher Gestaltung; Bleibt im Haus, wird nicht extern vergeben. wird sich um Projekt kümmern. Franz ist informiert – kam zu Treffen nicht. Er hat sich nicht von mail angesprochen gefühlt. hat mit ihm geredet. Wir werden auf wordpress umstellen. So können alle damit arbeiten. Einschulungen werden wir zukaufen. Stundenausmaß für Franz wird sich hoffentlich so reduzieren (soll an Dienststellen Hauptgruppe II mitarbeiten oder weniger Stunden machen – wie schon besprochen). Es wird weitere hp Besprechungstermine geben. Neue hp soll mit März 2017 laufen. Muss machbar sein. Datentransfer … und alles andere soll Franz machen. Will er da überhaupt mitmachen, wenn er einfach nicht kommt? Bei der Stadt Wien wäre das nicht möglich – einfach nicht kommen. Bitte mit Franz sprechen, wie er sich das weiter vorstellt. Will er überhaupt noch für die KIV arbeiten oder hat er sonst so viele Arbeiten? L. soll sich mit Franz zusammensprechen – sie wird Projektleitung, Wird sich das mit L.’s Stunden ausgehen. Die hat nur 15 Stunden und macht die KIV Magazine und alle layouts. Eigentlich sollte der Franz doch aushelfen – nein, der macht nur hp. Das geht so nicht. Wir müssen mit Franz reden. Wir sind ja nicht die große Gewerkschaft mit ganz vielen Leuten. Wir haben grad die N., die L. und den Franz. Eigentlich sind die L. und die N. wichtiger für uns als KIV. Wenn der Franz nicht mehr für die KIV arbeiten will, muss er es halt sagen. Kennen tut ihn von den Neueren eigentlich niemand mehr und sehen lässt er sich auch nicht.

Von diesem Termin bis zur Kündigung 9 Monate später wechselten noch 428 Mails zwischen Wien und Villach hin und her, die meisten ebenfalls zu KIV-Angelegenheiten, nur wenige zur Homepage und zum Arbeitsverhältnis von Franz.

In einem normalen Betrieb, und erst recht in einer gewerkschaftlichen Gruppierung, in der solidarisches Handeln zu den konstitutiven Elementen zählt, wäre nach den ersten Unmutsäußerungen im Leitungsteam unmittelbar Kontakt mit dem Mitarbeiter aufgenommen worden, mit dessen Leistung oder Produkt man unzufrieden ist. Erstens schon aus Wertschätzung dem Menschen gegenüber und zweitens, um das Produkt zu verbessern. Obwohl die Vorsitzende sich auf der KIV-Homepage als für "Coaching, Beratung & Konfliktlösung" zuständig bezeichnet, ist nichts in der Richtung geschehen, was nur im entferntesten als Interesse an einer Konflikt- und Problemlösung interpretiert werden könnte. Das lässt vermuten, dass es weniger um sachliche Probleme ging, als um Stimmungsmache. Möglicherweise, weil Franz durch die Arbeit an der Website nicht mehr wie früher die Aktivitäten in der Hauptgruppe II (Krankenanstaltenverbund) organisieren konnte und deren Aktivist*innen nun wie jene der anderen Abteilungen auf sich selbst gestellt waren. Was sie vielleicht nicht goutierten. Ein Hinweis darauf ist, dass dem Vernehmen nach vorwiegend die Vertreter*innen der Hauptgruppe II sich mit Lust und Wonne den redundanten Nörgeltiraden hingaben. Auch die Denunziation von Franz durch eine Büroangestellte, gegenüber einem außenstehenden Web-Marketing-Experten fiel in diesen Zeitraum (12. April 2016). Hier ist ebenfalls ein Eigeninteresse zu vermuten.

Ehe ich mich dem eigentlichen Ablauf des Kündigungsprozesses und der dort verwendeten Argumentation zuwende, werde ich mich im nächsten Beitrag mit einigen Punkten der Kritik an der Joomla-Website auseinandersetzen, obwohl diese Kritik meiner Meinung nach nur die Black Box darstellte für das eigentliche Ziel, einen älteren Mitarbeiter, der einen Bereich autonom bearbeitet, aus dieser Autonomie zu reißen und in Abhängigkeit zur Zentrale zu bringen.

Es mag dies für weniger Web-Affine eher fad sein. Doch scheint es mir notwendig aufzuzeigen, dass der Umstieg von Joomla auf Wordpress auf keiner sachlicher Grundlage beruhte bzw. jene, die darüber entschieden, bewusst auf Expertise verzichteten, die das zentrale Leitungsgemenge zu mehr Vernunfthandeln verführen hätte können.

Am Anfang stand nicht die Kündigung, sondern das Verlangen nach Unterwerfung. Doch damit wurde eine Dynamik ausgelöst, in dem die Beteiligten aus der Zentrale der KIV sich gegenseitig mehr und mehr in Rage über diesen "Außenmenschen" brachten, der nicht einzuordnen war in die kleinsten gemeinsamen Nenner der KIV-Büro-Welt. Und dann Schritte gesetzt und Entscheidungen gefällt wurden, die mit dem Ethos einer gewerkschaftlichen Organisation unvereinbar sind.