Im Frühjahr 1994 brach ich mir einen Arm und kaufte mir zum Trost ein Modem. Es war mein persönlicher Einstieg in die Welt der Netze: Fidonet, Z(erberus)-Netz, Blackbox, Compuserve und vor allem das Internet, welches in eben diesem Frühjahr durch die Firma PING auch für private Nutzer*innen zugänglich wurde. Irgendein IT-Fuzzy aus dem Umfeld der KIV hatte für die KIV einen Account beim Knoten an der TU eingerichtet mit entsprechender Software. Die schlummerte schon eine geraume Zeit auf einem Computer samt Modem in der KIV. Ermutigt durch meine inzwischen gewonnenen Kenntnisse aktivierte ich den Account und nervte die Leute von der KIV mit meinen Schilderungen des unerhörten Potenzials der damals im Vergleich zu heute noch tatsächlichen Wüste Internet. Lange vergeblich.

Doch 1997 war der Durchbruch: die KIV bekam ihre erste Homepage. Anlass war der österreichweite Zusammenschluss überparteilicher und parteiunabhängiger Listen auf Personalvertretungs-, Betriebsrats- und Gewerkschaftsebene im Österreichischen Gewerkschaftsbund – Unabhängige Gewerkschafter*innen im ÖGB und deren Anerkennung als Fraktion im ÖGB am 19. November 1997. An diesem Tag sollte die UG-Website online gehen und alle Teilorganisationen darin abgebildet werden. Diese Aufgabe war mir zugefallen und ich löste sie mit FrontPage von Microsoft. Dementsprechend sah sie auch aus. Völlig unterschiedlich auf den verschiedenen Displays, Bilder verzerrt, Textblöcke abgeschnitten und ziemlich langsam angesichts des üppigen und schmutzigen Codes, den diese Software lieferte. Es begann eine intensive Zeit der Verbesserung der Website. Franz interessierte sich zunehmend dafür und eignete sich in kürzester Zeit HTML-Kenntnisse an. Von ihm kam auch die Anregung, von Frontpage auf das stabilere und saubereren Code liefernden Dreamweaver umzusteigen. Diesen Umstieg schaffte er fast ganz allein, da ich aus Zeitgründen nicht viel helfen konnte. Die UG-Website und die der KIV sahen nach einiger Zeit recht stattlich aus. Die Berufsausbildung von Franz als Schriftsetzer hatte sich bewährt. Die damals noch von den meisten Homepagebastlern gemachten Fehler des zu bunt, zu viele Schriften und zu viele Kinkerlitzchen hatte er vermieden. Doch jeder neue Artikel, der erscheinen sollte, musste von ihm eingegeben und adaptiert werden. Angesichts der vielen in der UG zusammengeschlossenen Gruppierungen war das für einen allein nicht zu schaffen. Es übernahmen zwar nach und nach Internetaffine aus den anderen Teilgewerkschaften die Betreuung ihrer Website, doch die KIV selbst bestand ja selbst aus vielen Dienststellen, die entsprechend betreut werden mussten. Der Gedanke, die Website als Content Management System (CMS) zu betreiben, wurde immer drängender. Franz organisierte mit dem ÖGB-Verlag, welcher für ÖGB ein CMS betrieb, einen Transfer unserer Website dorthin. Eine Mordsarbeit:

Für die händische Migration aus Dreamweaver auf das ÖGB-CMS, für das von seiten des ÖGB-Verlags keine Administration bereitgestellt wurde, brauchte Franz, der in dieser Phase auf sich allein gestellt war, zwei extrem arbeitsreiche Wochen im ÖGB-Verlag, um tausende Assets (jeder Artikel, jeder Link, jedes Linkset, Download, -set,.... ist ein Asset) anzulegen und zu verknüpfen. Dazu kam, ein neues, recht anspruchsvolles System zu lernen, SQL natürlich auch (Queries spielten eine große Rolle). Dazu Schulungen und die Erstellung von Unterlagen für KIVlerInnen, welche für ihren Bereich als Redakteure arbeiten sollten, was ja der Sinn des CMS war. Allerdings war das System recht schwerfällig und mit einer anfangs recht steilen Lernkurve zu bedienen. Am Ende blieb wieder alles bei Franz hängen. Als der ÖGB-Verlag nach einigen Jahren einen neuen Server einrichtete und bei den Verhandlungen, die Franz im Auftrag der KIV führte, sich zeigte, dass die Kosten erheblich steigen würden, schlug Franz aus Ersparnisgründen der KIV Joomla, ein Open Source CMS vor, nachdem er sich mit kundigen Menschen aus der UG über das für unsere Bedürfnisse optimale System ausgetauscht hatte.

Das Erlernen von Joomla und die neuerliche Migration der inzwischen recht angeschwollenen Website der KIV waren wiederum äußerst arbeits- und zeitintensive Phasen für Franz. Doch das Ergebnis war sehr zufriedenstellend. Sowohl optisch als auch von der Funktionalität her. Die Gestaltung der neuen Website selbst war ein Gemeinschaftswerk. Das heißt, die technische Umsetzung blieb bei Franz, aber es kamen von Seiten von KIV-Menschen verschiedene Wünsche, was wie auf der Website vorhanden sein sollte. So war ursprünglich die linke Leiste mit einer langen Liste der Dienststellen nicht vorgesehen gewesen, aber seitens des KIV-Büros angeregt worden. Für Redakteur*innen gab es nun eine weitgehend selbsterklärende Oberfläche, die an Word erinnerte und damit im Grunde von allen, die mit Bürosoftware zu tun hatten, beherrscht werden konnte.

Ab Mai 2013 lief Joomla. Bis September 2017. Über diesen Zeitraum wird noch zu berichten sein.