Als die KIV-Joomlainstallation online ging, war ich bereits in Pension, hatte mit Franz aber losen E-Mail-Kontakt, weil mich die technische Seite interessierte. Als er mir vorschlug, für die KIV einen Facebook- und Twitter-Account zu betreiben, der in die Website integriert wurde, sagte ich zu und machte es eine Weile, bis zwei Kolleg*innen aus dem KIV-Büro den Facebook-Auftritt übernahmen, was eine sinnvolle Sache war, da ich selber ja bereits zu weit entfernt vom KIV-Alltag war.

Im übrigen hatte aufgrund verschiedener Entwicklungen in der KIV von meiner Seite auch eine gewisse Distanzierung zu dieser Organisation, wie sie sich jetzt darstellte, begonnen. Mit schien sie mehr und mehr in den gewerkschaftlichen Mainstream mitzufließen, das Rebellische zu verlieren und Gefahr zu laufen, nur mehr als Wurmfortsatz der FSG wahrgenommen zu werden. Es gab auch konkrete Vorfälle im zwischenmenschlichen Bereich innerhalb der KIV, von denen ich erfuhr, die mir gar nicht gefielen.

Dennoch war es für mich eine Selbstverständlichkeit, bei der Personalvertretungs- und Geewrkschaftswahl 2014 für die KIV in der Hauptgruppe 7 zu kandidieren. Allerdings nicht ganz vorne, weil ich keine Lust hatte, ein Mandat zu bekommen und zu den Sitzungen der Hauptgruppe gehen zu müssen, die, wie ich zwei Jahre später erfahren musste, recht grotesk verliefen. Im Juli 2016 starb leider der Gründer und langjährige Vorsitzende der KIV, Alfred "Troopy" Bastecky.

Ich rückte auf sein Ersatzmandat nach, welches er in der HG 7 noch inne gehabt hatte und durfte bis jetzt die vorhin erwähnten Erfahrungen machen. Auch für die heurigen Wahlen hätte ich kandidiert, doch diesmal auf einen Platz so weit hinten, dass ich nicht in Gefahr geriete, wieder in dieses Gremium zu rutschen. Doch es kam nicht dazu.

Im September 2017 erhielt ich das neue KIV-Magazin und las auf der letzten Seite:

Einladung zum Plenum

Neue Homepage? Davon hatte mir Franz gar nichts geschrieben? Ich surfte zur KIV-Seite und sah – eine Wordpress-Installation! WTF! war mein erster Gedanke, wieso tauscht Franz das bewährte Joomla gegen Wordpress aus? Ich schrieb ihm eine erstaunt fragende Mail. Seine Antwort war:

im März hat mich die KIV/UG gekündigt. Eine Kündigungsanfechtung wegen Sozialwidrigkeit ist beim Arbeits- und Sozialgericht anhängig.

und solange das Verfahren laufe, werde er sich nicht äußern.

Ich schrieb an die Vorsitzende der KIV, was da los sei, und bekam diese Antwort:

Gekündigt wurde, da Franz den Arbeitsaufträgen einfach nicht mehr nachgekommen ist. Die hp wurde auf Wunsch der KIV Leute umgestellt. Er sollte das neue System erlernen und begleiten. Die Umstellung vollziehen … Er kam zu Besprechungs- und Schulungsterminen nicht und ging auf keinen unserer Vorschläge bzgl. seines Aufgabenspektrums ein. Das zog sich von März 2016 bis Februar 2017. Im Feber hatten wir ein Gespräch (mit GW., MD. und mir) zum Stand der Dinge und dem Versuch eine Lösung zu finden. Im März bekamen wir dann ein mail, dass er 1000 Überstunden gemacht hat bzw. 10 Jahre keinen Urlaub konsumiert hat. Da Franz uns (IGA) beim Arbeits-und Sozialgericht geklagt hat, kann ich keine weitere Stellungnahme abgeben. Franz wurde vom Betriebsrat (MK und HD) begleitet. Selbstverständlich wurde ihm ein finanzielles Entgegenkommen angeboten. Die Zahlungen waren ihm zu gering, da er zwei Jahre volles Gehalt haben wollte bzw. durch eigens angeordnete Arbeitszeiten bis zur Wahl 2019 nicht mehr arbeitsleistend für die KIV/IGA tätig sein wollte. Schade. Die Vorgehensweise bzgl. Auflösung des Dienstvertrages mit Franz wurde durch alle basisdemokratische Instanzen der KIV getragen.

Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Franz, den ich immerhin über 30 Jahre kannte, sich so verhalten hätte. Das KIV-Büro (Anmerkung: damit werden die in den Büroräumen der KIV arbeitenden freigestellte Personalvertreter*innen plus die Angestellten gemeint, die in ihren wöchentlichen, für alle KIVler*innen zugänglichen Bürositzungen so etwas wie ein "Ständiger Ausschuss" sind, der zwischen den monatlichen Plena als dem höchsten Organ der KIV, die administrativen und politischen Geschäfte, soweit sie nicht eines Plenabeschlusses bedürfen, führt) dagegen hatte bereits vor ein paar Jahren eine Angestellte gekündigt, für welche das aus völlig heiterem Himmel passierte, tatsächlich aber einen mehrmonatigen Vorlauf im Büro ohne Aussprache mit der Angestellten gehabt hatte. Man schied in Unfrieden, aber immerhin mit einer einvernehmlichen Kündigung mit recht großzügigen Bedingungen seitens der KIV.

Für mich war es Zeit, mich aus der KIV zurückzuziehen. Da die Zeit der Kandidat*innensuche für die heurigen Personalvertretungs- und Gewerkschaftswahlen begann, wollte ich vermeiden, auf die Pensionistenliste zu kommen und schrieb eine entsprechende Mail ans KIV-Büro.

Meine noch vorhandenen Rechte des Facebook- und Twitteraccounts deaktivierte ich. Damit wäre es für mich erledigt gewesen. Weiterhin hielt und halte ich Organisationen wie die UG und im Bereich der Bediensteten der Stadt Wien (und anderer Städte und Gemeinden) die KIV für gut und notwendig. Aber ich konnte mich mit ihr nicht mehr identifizieren.

Soweit so gut. Doch dann erfuhr ich von Franz in einer kurzen Mail, dass er den Arbeitsprozess verloren hätte. Ich wollte mehr wissen. Und ich erfuhr mehr. Auf meine Bitte ließ mich Franz die Akten des Arbeitsgerichtsprozesses einsehen. Nach deren Lektüre beschloss ich, diesen Blog zu führen.