Martina Petzl
Abschreibe-Übung lesen

Die KIV schreibt auf ihrer Facebookseite:

Wann würde sich eine Optierung ins neue Gehaltssystem lohnen? Unangenehme Wahrheiten und schwierige Fragen. Martina Petzl-Bastecky hat sich das genauer angeschaut:

"Hat sich das genauer angeschaut"? – Von wegen! Sie hat es ohne Quellenangabe abgeschrieben. Und zwar von einem Text auf der Homepage der Hauptgruppe II, welche bekanntlich von der FSG dominiert ist. Der mit "Ihr Team Gesundheit mit Kämpferherz" "offizielle" Text ist umfangreicher, die KIV-Vorsitzende hat sich nur des Herzstücks bedient. Ein Vergleich macht uns sicher:

Version Hauptgruppe II "Ihr Team Gesundheit mit Kämpferherz"

Wann würde sich eine Optierung für mich lohnen?

Vor dem Wechsel ins neue System, müssen Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Wie sieht es im neuen System mit meiner Abfertigung aus?

  • Ich bin pragmatisiert. Ein Umstieg bedeutet den Verlust des Pragmatikums. Welche Konsequenzen zieht das nach sich (Ruhestand / Pension, Arbeitslosigkeit,…)?

  • [usw.]

Version KIV-Vorsitzende

Wann würde sich eine Optierung lohnen?

Vor dem Wechsel ins neue System, musst du dir folgende Fragen stellen:

  • Wie sieht es im neuen System mit meiner Abfertigung aus?

  • Ich bin pragmatisiert. Ein Umstieg bedeutet den Verlust des Pragmatikums. Welche Konsequenzen zieht das nach sich (Ruhestand / Pension, Arbeitslosigkeit,…)?

  • [usw.]

Die sieben aufgezählten Fragen sind identisch bei beiden Texten. Ok, sind auch nur Fragen, die sich wohl allen Bediensteten stellen. Nun kommt es zu den Antworten von Hauptgruppe II/FSG und KIV, aus denen wir auch erkennen können, was diese beiden Fraktionen unterscheidet:

Version Hauptgruppe II "Ihr Team Gesundheit mit Kämpferherz"

Auf all diese Fragen gibt es derzeit keine Antworten – nur Vermutungen. Zudem müssen Antworten auf diese Fragen rechtssicher sein. Der kleinste Irrtum könnte fatale Folgen für die Kolleginnen und Kollegen haben. Wir brauchen daher zuerst einmal Rechtssicherheit und Zeit, um ausreichend viele BeraterInnen für ca. 60.000 Bedienstete bei der Stadt Wien zu qualifizieren.

Version KIV-Vorsitzende

Auf all diese Fragen gibt es derzeit keine Antworten – nur Vermutungen. Zudem müssen Antworten auf diese Fragen rechtssicher sein. Der kleinste Irrtum könnte fatale Folgen für die Kolleginnen und Kollegen haben. Wir brauchen daher zuerst einmal Rechtssicherheit und Zeit, um ausreichend viele BeraterInnen für ca. 60.000 Bedienstete bei der Stadt Wien zu qualifizieren.

Es fällt auf, dass der HGII/FSG-Text sich noch bemüht, eine Begründung für den Vorbehalt gegen die Optierung zu bringen. Die KIV-Vorsitzende dagegen die Erklärung streicht und sich mit einem apodiktischen "Kleinste Irrtum – fatale Folgen" begnügt: Es reicht, wenn wir sagen, dass es so ist, mehr braucht ihr nicht zu wissen ...

Der weitere Text unterscheidet sich zunächst nur durch die Anrede. Die HGII/FSG bevorzugt das "Sie", die KIV das basiskollegiale "du".

Es erübrigt sich also, die beiden Versionen gegenüberzustellen, sondern nur die Korrekturfassung der Version der KIV-Vorsitzenden zu bringen:

So gravierend werden die Veränderungen bei einem Wechsel schon nicht sein, oder?

Neu ist nicht zwingend immer besser – gerade wenn Sie du schon lange im alten System arbeitest. Es gilt: Je länger Sie du im Altsystem beschäftigt bist, umso geringer fällt der Vorteil bei einer Optierung aus, denn die Gehaltskurve im neuen System ist flacher, während sie im alten System bei Ihnen dir vielleicht noch steigt. Und zur ganzen Wahrheit gehört auch: Wenn Sie du schon lange in einem nach Seniorität bezahlten Schema bist, könnte der Wechsel sogar einen Verlust für Sie dich bedeuten.

Aber nun gibt es einen gravierenden, um nicht zu sagen, den einzigen Unterschied zwischen den Fraktionen, sozusagen das einzige kreative Element in der Stellungnahme der KIV, nämlich statt der von der Hauptgruppe II "Ihr Team Gesundheit mit Kämpferherz" geäußerten Warnung

Wichtig: Bitte blicken Sie nicht nur aufs Geld, sondern auch auf das Dienstrecht (= Wiener Bedienstetengesetz ab 01.01.2018)!

beschwört die KIV-Vorsitzende gleichsam raunend

Unangenehme Wahrheiten

Auch im Folgenden reicht es, die Korrekturfassung der KIV zu bringen, weil, außer dem "du" bringt sie keinen eigenständigen Gedanken bei.

  • Wussten Sie Hast du gewusst, dass im neuen Gehaltssystem die siebente Urlaubswoche wegfällt?

  • Wussten Sie Hast du gewusst, dass Urlaub ohne Bezüge von 10 Jahren auf 3 Jahre reduziert wurde?

  • Wussten Sie Hast du gewusst, dass es keine 2-jährigen Gehaltsvorrückungen mehr gibt?

  • Wird also Ihre deine Tätigkeit nicht mehr benötigt, können Sie kannst du für andere Aufgaben eingesetzt werden – eventuell mit einer damit einhergehenden Veränderung Ihrer deiner Bezahlung.

  • usw.

Ich will gar nicht optieren!

Wenn die Optierung für Kolleginnen und Kollegen im Altsystem kommt, wird sie immer nur auf freiwilliger Basis sein. Niemand kann oder wird dich zu einem Umstieg zwingen. Wenn es so weit ist, lassen Sie lass dich ausführlich beraten und entscheide dann.

Wichtig: Eine einmal getroffene Entscheidung zur Optierung kann nicht rückgängig gemacht werden.

Im Unterschied zu früheren Stellungnahmen aus einigen Dienststellen, wie im Beitrag Beschiss von oben zu lesen war, gibt es in dieser Stellungnahme von höchster KIV-Autorität, also von der Vorsitzenden, keinerlei Kritik am Besoldungsgesetz selbst, keinerlei Hinweis auf die Kumpanei von FSG und Dienstgeberin bei der Ausverhandlung des Gesetzes. Es werden keine nächsten Schritte genannt, keine konkreten Hilfestellungen angeboten. Von einem Aufruf zur Aktivierung und Selbstermächtigung der Bediensteten ganz zu schweigen. Nein, es wird nur allgemein und mit einem schier unerträglichen paternalistischen Gestus vor unabsehbaren Fährnissen gewarnt.

Die Botschaft dieses Werks der Mehrheitsfraktion FSG und ihres politischen Wurmfortsatzes KIV lautet, aufs Wesentliche reduziert:

Wir haben zwar keine Ahnung, aber ihr seid sowieso zu blöd, daher vertraut uns!

So. Wer noch nicht zur Personalvertretungs- und Gewerkschaftswahl 2019 gegangen ist, kann sich in den nächsten Stunden überlegen, wem er seine oder ihre Stimme gibt.

Glückauf!